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(© Wilfried Neumann) |
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Bei der Familie Schuster ist es jeden Sonntag Brauch, zwischen Hauptmahlzeit und Abendbrot, den Nachmittag gemütlich an der Kaffeetafel zu verbringen. An diesem Wochenende wollte Frau Schuster ihrem Mann eine besondere Freude bereiten. Statt Torte aus der Bäckerei, sollte eine selbstgebackene Köstlichkeit den Sonntagstisch krönen. Ein leckeres Rezept hatte sich die Schusterin aus einem alten Kochbuch ausgesucht und alle Zutaten eingekauft. Schon bald ging sie ans Werk. Sie quirlte das Mehl, rührte den Zucker, hackte den Teig, würzte das Obst. Die Masse erreichte eine Festigkeit, die die Backanleitung forderte. Nun flott den Kuchen in den Herd schieben und nach 30 Minuten mit dem Messer testen, ob die Hitze alles durchgebacken hat, war im Buch zu lesen. Frau Schuster stellte den Backofen auf 200 Grad ein und schob die Form in die Röre. Schon nach zehn Minuten strich ein angenehmer Duft durch die Wohnung, der auch an Schusterins Nase nicht spurlos vorbeistrich. Schnell prüfte die junge Bäckerin, die von Freunden als etwas ungeduldig beschrieben wird, mit spitzem Besteck den Zustand des Teiges. Das erfreute den Kuchen gar nicht, denn es tut einem halbgebackenen Teig mächtig weh, wenn der mit Metall gepiekst wird. Einmal ist keinmal, dachte die Schusterin, und durchlöcherte von nun an alle paar Minuten den Kuchen mit der Gabel. Na warte, dachte die Obsttorte, für jedes Loch werde ich mich bedanken. Nach 30 Minuten stellte die Schusterin freudig fest, kein Teig klebt mehr an der Spitze, es ist vollbracht. Herr Schuster traute seinen Augen kaum, als er an der Kaffeetafel Platz nahm. Die Harmonie der Frühlingstischdecke im Verbund mit dem goldenen Besteck und den zartgrünen Servietten, trieben seinen Herzschlag an. Er umarmte seine Frau und drückte sie fest an sich. Die Überraschung war gelungen. Voller Erregung strahlte die Schusterin. „Das erste Stück ist für dich mein Schatz!" Sie nahm das Messer, legte es sanft auf die „Götterspeise" und ... „Pfffffffffft" machte der Kuchen und sackte in sich zusammen. Er sah aus, als ob er über die gesamte Länge grinsen würde. Tränen liefen der Schusterin über die zarten Wangen. Nun erkannte sie ihr Missgeschick und dachte: „Ach hätte ich doch etwas weniger gestichelt und mehr Geduld gezeigt." |
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