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Eine Nacht auf dem großen Fluß
(© Uwe Stuerck)

 

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Es war das ideale Wetter zum Nachtangeln. Also hatte ich kurzentschlossen meine Angeltasche ins Auto gepackt und war zum großen Fluß gefahren. Es war warm, sternenklar und der Vollmond ließ das Wasser in einem goldenen Licht erstrahlen. Ich ließ mich in meinem kleinen Boot den Strom hinuntertreiben, unentschlossen, wo ich denn mein Angelglück versuchen sollte, und genoß die herrliche Stille, die nur von dem Zirpen der Zikaden und einem gelegentlichen Ruf eines Käuzchens von den Bäumen der Waldinsel unterbrochen wurde. Aber plötzlich...
"Jahimmeldonnerwetternocheinmal, Quallenfeuer, Topmastbruch und Segelriss!! Wo, zum Klabautermann, bin ich denn hier gestrandet?"
Eine grauenhaft schrille Stimme hatte die Idylle jäh unterbrochen. Ich fragte mich, wer um Himmels Willen hier mitten in der Nacht so herumschrie und ob eventuell etwas passiert sei und ich Hilfe leisten könnte.
Also steuerte ich mein Boot in die Richtung, aus der diese Fluch-Tirade erklungen war - Richtung Waldinsel.
Ich fuhr mein Boot in einer kleinen Bucht an den Strand und band es gerade an einem Baustamm fest, als sich mir ein eiskalte Hand auf die Schulter legte und diese schrille, etwas rauhe Stimme erklang erneut.
"Jakreuzteufelschneckenschleimnocheinmal, Sailor, wo bleibst du denn so lange, jetzt aber ´rein in deine Schaluppe und nix wie hinterher!!" Mir wäre vor Schreck beinahe das Herz stehengeblieben und ich drehte mich, auf das Schlimmste gefaßt, ganz langsam um.
Vor mir stand eine wunderschöne, junge Frau mit wallendem, blonden Haar, großen, ausdruckvollen Augen und einem kirschroten Mund. Sie trug ein altmodisches, sehr weit ausgeschnittenes Kleid, welches allerdings ziemlich lädiert aussah und ausgebleicht, als wenn es schon viel zu oft gewaschen worden wäre. "Ähh hallo, ich ..." stammelte ich, unfähig, zu glauben , was ich sah. "Wat is, wat is, komm mien Jung´, wie hebbt kein Tied, wie müdd achterran, schnacken künnt wie ock op See " hörte ich gerade noch und wurde von ihr in mein Boot geschoben. " Du nimmst die Pinne, für´n Antrieb sorg´ich schon " und schon trieben wir auf dem großen Fluß stromaufwärts. Gegen die Strömung. Seltsam. " Wer sind Sie und wo fahren wir hin und überhaupt....." hob ich an und wurde direkt wieder von ihr unterbrochen:
"Paß op, Käpt´n, Du stüerst und ick vertell di wat. Domit du mi versteist, wer ick hochdütsch schnacken.
Ich bin die Seehexe Esmeralda Waterloo Spinacker und mein Captain ist mit unserem Schiff diesen brackigen Bach ´raufgesegelt, weil er unbedingt in eine bestimmte Werft muß, die auch alte spanische Galeonen restaurieren kann." "Bach?", dachte ich, "das ist der große Fluß und sie sagt Bach dazu". Weiter kam ich gar nicht, denn sie setzte schon wieder an. (Oh, diese Stimme!) "Überhaupt, was heißt schon alt, und wieso restaurieren, hab´ich den Käpt´n gefragt, aber der Döspaddel mußte ja unbedingt hier hochschippern. Da hab ich mir vor lauter Wut mit der Nixe Maria Heringssteert und dem Wassermann Kalle Flunderflosse, ein einheimischer Tölpel, einen auf die Lampe gegossen. Aber das hiesiege Muschelbier ist wohl stärker, als ich das gewöhnt bin, und so bin ich wohl irgendwie baden gegangen und finde mich in diesem grässlichen Wald wieder. Mann, das ist mir ja schon 300 Jahre nicht mehr passiert! Also hab ich mir schnell ein Boot herbeigehext, damit ich mein Schiff verfolgen und wieder an Bord gehen kann, bevor einer was merkt. Wenn der Klabautermann nämlich weiß, daß ich nicht an Bord bin, nimmt er das Schiff in Besitz und dann ist es verloren. Also, halt Ausguck, Sailor, wir müssen den Pott schnell wiederfinden."
"Das ist ja wohl das bekloppteste, was ich je in meinem Leben gehört habe", dachte ich, "wo ist die denn ausgebrochen?" Aber da rief sie schon: " Da vorne ist er, geh längsseits Mann, ich spring dann ´rüber"
Es scheuerte und knirschte an meinem Dollbord, als mein Boot den Baumstamm streifte, der träge im Strom schwamm. Ich muß wohl eingenickt sein in dieser herrlichen Stille, die nur ab und an durch das klagende Rufen eines Käuzchens unterbrochen wurde. In der Mitte des großen Flusses sah ich ein Schiff auf mich zufahren. Es war ein großes Segelschiff, wahrscheinlich eine alte spanische Galeone auf dem Weg zur Bootswerft "Hansebau", die sich auf die Restauration so alter Schiffe spezialisiert hatte. Ich ruderte ein bißchen näher heran. Schön war das Schiff, mit einer herrlichen Galeonsfigur. Eine schöne, junge Frau mit wallendem, blonden Haar, großen, ausdrucksvollen Augen und einem kirschroten Mund. Aber was war das jetzt?
TÄUSCHTE ICH MICH, ODER HATTE SIE MIR GERADE ZUGEZWINKERT?


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