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Es war das ideale Wetter zum Nachtangeln. Also hatte
ich kurzentschlossen meine Angeltasche ins Auto gepackt und war zum großen
Fluß gefahren. Es war warm, sternenklar und der Vollmond ließ
das Wasser in einem goldenen Licht erstrahlen. Ich ließ mich in
meinem kleinen Boot den Strom hinuntertreiben, unentschlossen, wo ich
denn mein Angelglück versuchen sollte, und genoß die herrliche
Stille, die nur von dem Zirpen der Zikaden und einem gelegentlichen Ruf
eines Käuzchens von den Bäumen der Waldinsel unterbrochen wurde.
Aber plötzlich...
"Jahimmeldonnerwetternocheinmal, Quallenfeuer, Topmastbruch und Segelriss!!
Wo, zum Klabautermann, bin ich denn hier gestrandet?"
Eine grauenhaft schrille Stimme hatte die Idylle jäh unterbrochen.
Ich fragte mich, wer um Himmels Willen hier mitten in der Nacht so herumschrie
und ob eventuell etwas passiert sei und ich Hilfe leisten könnte.
Also steuerte ich mein Boot in die Richtung, aus der diese Fluch-Tirade
erklungen war - Richtung Waldinsel.
Ich fuhr mein Boot in einer kleinen Bucht an den Strand und band es gerade
an einem Baustamm fest, als sich mir ein eiskalte Hand auf die Schulter
legte und diese schrille, etwas rauhe Stimme erklang erneut.
"Jakreuzteufelschneckenschleimnocheinmal, Sailor, wo bleibst du denn so
lange, jetzt aber ´rein in deine Schaluppe und nix wie hinterher!!" Mir
wäre vor Schreck beinahe das Herz stehengeblieben und ich drehte
mich, auf das Schlimmste gefaßt, ganz langsam um.
Vor mir stand eine wunderschöne, junge Frau mit wallendem, blonden
Haar, großen, ausdruckvollen Augen und einem kirschroten Mund. Sie
trug ein altmodisches, sehr weit ausgeschnittenes Kleid, welches allerdings
ziemlich lädiert aussah und ausgebleicht, als wenn es schon viel
zu oft gewaschen worden wäre. "Ähh hallo, ich ..." stammelte
ich, unfähig, zu glauben , was ich sah. "Wat is, wat is, komm mien
Jung´, wie hebbt kein Tied, wie müdd achterran, schnacken künnt
wie ock op See " hörte ich gerade noch und wurde von ihr in mein
Boot geschoben. " Du nimmst die Pinne, für´n Antrieb sorg´ich schon
" und schon trieben wir auf dem großen Fluß stromaufwärts.
Gegen die Strömung. Seltsam. " Wer sind Sie und wo fahren wir hin
und überhaupt....." hob ich an und wurde direkt wieder von ihr unterbrochen:
"Paß op, Käpt´n, Du stüerst und ick vertell di wat. Domit
du mi versteist, wer ick hochdütsch schnacken.
Ich bin die Seehexe Esmeralda Waterloo Spinacker und mein Captain ist
mit unserem Schiff diesen brackigen Bach ´raufgesegelt, weil er unbedingt
in eine bestimmte Werft muß, die auch alte spanische Galeonen restaurieren
kann." "Bach?", dachte ich, "das ist der große Fluß und sie
sagt Bach dazu". Weiter kam ich gar nicht, denn sie setzte schon wieder
an. (Oh, diese Stimme!) "Überhaupt, was heißt schon alt, und
wieso restaurieren, hab´ich den Käpt´n gefragt, aber der Döspaddel
mußte ja unbedingt hier hochschippern. Da hab ich mir vor lauter
Wut mit der Nixe Maria Heringssteert und dem Wassermann Kalle Flunderflosse,
ein einheimischer Tölpel, einen auf die Lampe gegossen. Aber das
hiesiege Muschelbier ist wohl stärker, als ich das gewöhnt bin,
und so bin ich wohl irgendwie baden gegangen und finde mich in diesem
grässlichen Wald wieder. Mann, das ist mir ja schon 300 Jahre nicht
mehr passiert! Also hab ich mir schnell ein Boot herbeigehext, damit ich
mein Schiff verfolgen und wieder an Bord gehen kann, bevor einer was merkt.
Wenn der Klabautermann nämlich weiß, daß ich nicht an
Bord bin, nimmt er das Schiff in Besitz und dann ist es verloren. Also,
halt Ausguck, Sailor, wir müssen den Pott schnell wiederfinden."
"Das ist ja wohl das bekloppteste, was ich je in meinem Leben gehört
habe", dachte ich, "wo ist die denn ausgebrochen?" Aber da rief sie schon:
" Da vorne ist er, geh längsseits Mann, ich spring dann ´rüber"
Es scheuerte und knirschte an meinem Dollbord, als mein Boot den Baumstamm
streifte, der träge im Strom schwamm. Ich muß wohl eingenickt
sein in dieser herrlichen Stille, die nur ab und an durch das klagende
Rufen eines Käuzchens unterbrochen wurde. In der Mitte des großen
Flusses sah ich ein Schiff auf mich zufahren. Es war ein großes
Segelschiff, wahrscheinlich eine alte spanische Galeone auf dem Weg zur
Bootswerft "Hansebau", die sich auf die Restauration so alter Schiffe
spezialisiert hatte. Ich ruderte ein bißchen näher heran. Schön
war das Schiff, mit einer herrlichen Galeonsfigur. Eine schöne, junge
Frau mit wallendem, blonden Haar, großen, ausdrucksvollen Augen
und einem kirschroten Mund. Aber was war das jetzt?
TÄUSCHTE ICH MICH, ODER HATTE SIE MIR GERADE ZUGEZWINKERT?
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