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„Halt, halt, was machen Sie denn da?"
Ich ging noch ein paar Schritte näher an meinen Wagen heran, an dem die
blau uniformierte Politesse gerade etwas unter den Scheibenwischer steckte.
„Ist das Ihr Fahrzeug?" Sie hob nur kurz den Kopf, sah mich dabei an,
als hätte ich ihr gerade einen unsittlichen Antrag gemacht.
„Ja, äh ne, eigentlich nicht", stolperte ich, unsicher wie immer im Angesicht
Uniformierter, „ich bin nicht der Halter, nur der Fahrer, was ist denn
los, warum krieg ich ein Knöllchen? Hier ist doch kein Parkverbot."
Mit einer Stimme, schneidend wie ein frisch geschliffenes Schlachtermesser
antwortete sie: „Überschreitung der zulässigen Höchstparkdauer um mehr
als drei Stunden. Fahren Sie den Wagen jetzt bitte weg."
'Mann, was ist das denn für ein Besen? Blöde Kuh!'
„Wie, Höchstparkdauer? Wo steht denn, wie lange man irgendwo parken darf?"
Sie hob den Arm, zeigte auf die Rückseite eines Schildes, das in circa
zwanzig Metern Entfernung aufgestellt war.
„Parkzone. Parken werktags zwischen sieben und neunzehn Uhr. Höchstparkdauer
zwei Stunden."
'Mist, hab’ ich natürlich heute Nacht nicht gesehen, das Scheißschild.
Hätte Susanne mir ja auch was von sagen können.'
„Okay", sagte ich und zückte grinsend mein Portmonee, „mea culpa, mea
maxima culpa! Wieviel macht das?"
Mir lief langsam die Zeit davon, ich war sowieso schon zu spät dran. Wieder
dieser eiskalte Blick der Blauen.
„Nu werden Sie mal nicht komisch, mein Herr, jetzt kriegen Sie auch noch
‘ne Anzeige wegen Beleidigung."
Sie zeigte mit dem Stift in der Hand auf meine Geldbörse. „Meinen Sie,
ich lasse mich von Ihnen beschimpfen? Und dann auch noch ein Bestechungsversuch."
Sie griff in ihre Umhängetasche, holte einen Schreibblock hervor.
„Ihr Name?"
'Das darf ja wohl nicht wahr sein! Die haben sie wohl über den Sozialplan
eingestellt, oder was.'
„Hören Sie mal, mea culpa ist lateinisch und nix weiter als ein Schuldbekenntnis.
Und von Bestechung kann keine Rede sein, ich will nur mein Strafmandat
bezahlen."
„Meinen Sie, ich bin die Stadtkasse, oder was? Barzahlen ist nicht. Sie,
oder genauer gesagt, der Halter des Fahrzeugs kriegt ‘n Zahlschein zugeschickt.
Und kommen Sie mir nicht lateinisch, wir sind hier in DEUTSCHLAND. Und
jetzt sagen Sie mir Ihren Namen, oder ich muß einen Polizisten rufen."
'Oh Scheiße!'
Langsam wurde mir das doch zu blöd hier, ich mußte sehen daß ich weg käme.
'Okay, sie will es ja nicht anders.'
Ich setzte ein schleimiges Lächeln auf.
„Schon gut, schon gut, schreiben Sie auf: Konstantin Friedrich Freiherr
von Sassmannshausen - Weissenstein. Deutscher geht’s nicht."
Sie ließ den gerade zum Schreiben angesetzten Stift sinken, sah mich an,
den blanken Haß im Gesicht.
„Wollen Sie mich jetzt verarschen, oder was? Zeigen Sie mal Ihre Papiere!"
'Jetzt reicht’s mir aber!'
Ich konnte nicht mehr, war kurz vorm explodieren. Ich zog das Knöllchen
unter dem Scheibenwischer hervor, fetzte es in kleine Stücke, die ich
ihr vor die Füße rieseln ließ, stieg in den Wagen und drehte die Scheibe
runter.
„Weißt du was, du Schnepfe? Zeig an, wen du willst, ruf die Bullen, leck
mich am Knie und.." ich startete und fuhr ein paar Zentimeter vor „..lern
Latein!"
Mit Vollgas raste ich die Hauptstraße hinunter, fuhr links um den Block,
um dann in Gegenrichtung die Stadt zu verlassen.
'Was ist, wenn die Ziege jetzt die Bullen hinter mir her jagt?'
Zehn Minuten später war ich auf der Autobahn. So, jetzt hatte ich den
Salat.
'Höchstparkdauer, das darf doch nicht wahr sein. So eine Scheiße aber
auch! Jetzt kommt natürlich noch ‘ne Anzeige dazu, warum kann ich mich
auch nie beherrschen?'
Durch das Knöllchen würde Andrea natürlich sofort wissen, daß ich nicht
in Hamburg gewesen bin, wie ich ihr zwei Stunden zuvor per Handy noch
weismachen konnte. Ich würde mir etwas einfallen lassen müssen.
'Schätze mal, die nächsten Tage werde ich bei Andrea verbringen müssen,
damit ich die Post kontrollieren kann. Mist, jetzt muß ich Ulrike schon
wieder vertrösten, irgendwann wird sie mal mißtrauisch werden. Höchstparkdauer,
ich krieg mich nicht mehr ein. Wer konnte auch ahnen, daß ich so lange
bei Susanne bleiben würde. Hat sich aber gelohnt, die Nacht. Noch zwei,
drei weitere Nächte dieser Art und ich hab sie soweit. Wie hab ich mich
bei der blöden Bulette noch mal genannt? Konstantin Friedrich Freiherr
von Sassmannshausen - Weissenstein. Genial. Gefällt mir. Muß mal mit Paul
reden, vielleicht macht er mir ja Papiere. Mit dem Namen komm ich vielleicht
mal an das ganz große Geld.'
Ich setzte den Blinker und lenkte den Benz auf eine Raststätte. Bevor
ich den Wagen verließ, wählte ich erst mal eine Nummer auf dem Handy.
„Hallo Uli? Ich bin’s. Spatz, hör mal, es ist etwas dazwischen gekommen..."
Es erfordert eine ganze Menge Organisations- und Improvisationstalent
wenn man mehrere Ehefrauen hat.
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