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Ein nebliger Abend
(© Moritz)
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Draussen ist es neblig grau, ein richtig kalter, klammer Novembersonntag. In einem grossen, kalten Haus, im Wohnzimmer sitzt ein dünnes, graues Männlein vor dem Kamin und wärmt sich seine alten Knochen. Da sitzt er nun schon seit Stunden, rührt sich nicht vom Fleck, bewegt sich nur, um seinen dicken, gemütlichen Kater zu streicheln, und wartet. Er wartet auf nichts bestimmtes, vielleicht weiß er selbst gar nicht, daß er wartet, aber es ist ganz eindeutig ein Warten.
Im Kamin knistert das Feuer, der gestreifte Kater schnurrt träge vor sich hin, und draussen heult der Wind ums Haus.
Aber halt - was für ein Wind denn? Der war doch eben noch nicht da!
Der alte Mann merkt auf, seine ganze Person ist nur Lauschen, er dreht den Kopf, um ja keinen Ton zu verpassen von der Melodie, denn es ist ganz klar eine Melodie, die der Wind da pfeift. Ist es überhaupt der Wind, der da draussen ist, oder ist etwas anderes - JEMAND anderes?
Das Männlein steht auf und geht zum Fenster. Das Fenster ist beschlagen, so daß er erst ein Guckloch machen muß, doch auch jetzt sieht er nicht mehr, denn der Nebel ist so dicht, daß nicht einmal die Obstbäume im Garten zu sehen sind. Immer lauter wird die Melodie, immer deutlicher, aber man kann nicht erkennen, was für eine Melodie es ist, woher sie kommt, und es gibt nichts ähnliches, womit man sie beschreiben könnte.
Da, plötzlich sieht der Alte einen Schemen in seinem Garten, der sich bewegt, der fast zu tanzen scheint zu der seltsamen Melodie - oder ist es nur ein Zierstrauch, der sich im Wind bewegt?
Der Alte im Wohnzimmer versucht angestrengt etwas zu erkennen, aber der Schemen bleibt ein Schemen. Da öffnet er das Fenster, um hinauszurufen, und plötzlich ist die Gestalt verschwunden, und die einzigen Geräusche, die zu hören sind, sind das Feuer und der Kater, der immer noch schnurrend auf dem Läufer vor dem Kamin liegt. Eine Weile noch schaut das Männlein in den dichten Nebel hinaus, dann schließt er das Fenster wieder und setzt sich zurück auf seinen alten Platz am Feuer. Er streichelt seinen Kater ein Weilchen, der sich genussvoll räkelt, dann verfällt er wieder in seine alte Regungslosigkeit.


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