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Die Kellermaus
(© Elke Bräunling, KarlHeinz Graumann, Estel, Astrid Hinkelmann, Britta Lüthe)
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Estel:

In einem Haus ein Keller war
dunkel, unheimlich, sonderbar.
Dorthin verirrte sich 'ne Maus
und fand auch nicht mehr gleich hinaus.

"Hilfe", denkt sie, "wo soll ich hin?
Nach Sterben steht mir nicht der Sinn.
Wo krieg' ich was zu essen her,
denn mein Magen, der knurrt sehr.

Meine Nase setzt' ich ein,
wo könnte was zu fressen sein?
Ich suchte nun in jeder Eck'
und fand nur Spinnenweb' und Dreck.

Doch halt, welch fabelhafter Duft
stieg aus dem Karton dort an die Luft,
auf dem macht' ich es mir bequem,
dem Karton war's nicht angenehm.

Er knickte in der Mitte ein
und schwupps, fiel ich ganz tief hinein.
Dort war'n nur Kanten, hart und gemein,
das konnten doch nur Bücher sein.

Der Geruch verfolgte mich,
er war so abenteuerlich.
Ein Buch, es lag ganz obenauf,
das strömte diese Düfte aus.

Ich hab' geknabbert und geleckt
und....hmmm...was hat es gut geschmeckt!
Das ganze Werk fraß ich nun auf,
das Schicksal nahm nun seinem Lauf.

Es war "de bello gallico"
vom Caesar, der war sicher froh,
ich ließ das Deckblatt nur zurück,
es war zu hart, das letzte Stück!

Als ich verdaut' die ganze Schrift
wurde mein Denken kriegerisch,
Mauseheeren wollt' ich befehlen,
sie bis zu glorreichen Siegen quälen!

Caesars Scharfsinn setzt' ich ein,
wollt' mich aus dem Karton befreih'n.
Vielleicht find' ich noch andere Werke
zu vergrößern meine Geistesstärke.

 

Elke:

Doch ward´s dem Mäuslein bald zu dumm,
was quäl ich mich mit Römern rum.
Ich frage mich, was man ´von hat,
von Kämpfen werd ich doch nicht satt.

Sprach´s und sprang zur Trepp´ hinauf.
Was herzhaftes ist´s, was ich brauch,
dacht´ Mäuslein, machte sich ganz klein
und schlüpfte in die Küch´ hinein.

Dort roch es lockend, hm, und süß,
fast, wie im Mauseparadies,
besonders dieser Käs´ da,
viel köstlicher als Caesar...


Estel:

Doch überm Käs', was seh' ich da,
wölbt sich 'ne Käseglocke, klar!
Wie komm' ich an die Köstlichkeit?
Der Weg dorthin erscheint mir weit!

In den Keller ich noch mal lief
und dort nach Kameraden rief.
Es kamen 3,4 Mäuslein klein,
die lud ich frech zum Schmausen ein.

Zusammen gingen wir es an
und hoben die Käseglocke dann,
doch in diesem Augenblick
ein Kater kam, sehr rund und dick!


Britta:

Mit Schrecken sahen wir uns an
und überlegten gar nicht lang
dass es nun an der Zeit wohl sei
zu warten, bis er lief vorbei.

Doch das war nicht in seinem Sinn,
denn er lief ganz schnell zu uns hin,
worauf wir dann noch schneller liefen
zurück zum Keller, in den tiefen.

Der Kater, wenn auch ziemlich dick
der lief tatsächlich einfach mit,
er sah in uns sein nächstes Mahl,
doch das wollt' ich auf keinen Fall!


Elke:

Was tun? Wir sahn uns ängstlich um,
stand kein Versteck hier denn noch rum?
Der Kater näherte sich flugs,
wir hielten still ganz ohne Mucks.

Still schlich der Kater auch herbei,
wir grausten uns, herrje, owei,
groß waren unsre Nöte,
da sahen wir den Goethe.

Ein dickes Buch, ganz voller Dreck
lag einsam in der Kellereck.
Wir sausten hin, machten uns klein,
und schlüften in die Seiten rein.


Britta:

Wir konnten unser Glück kaum fassen,
der Titel schien uns äusserst passend,
"Faust" stand da, dick und fett,
den Goethe find ich richtig nett.

Eilig hielt wir schnell Rat
um zu erforschen, welche Tat
wir vom Goethe lernen sollen
damit der Kater sich wird trollen.


Elke:

Doch erst warn wir mal so vermessen,
und habn ein Stück vom Faust gefressen,
doch ward gar seltam mir im Bauch,
den andern ging es grad so auch.

"Mich dünkt, der Alte spricht im Fieber",
las ich, doch grad wär mir die Freiheit lieber,
als herer Worte auf Papier.
Der Kater stand nun dicht vor mir.


Britta:

"Habe, ach, Philosophie..."
laut ich ins Gesicht ihm schrie.
Ich gebe zu, ich hoffte glatt,
er wäre davon wirklich platt.

Doch es erwies sich leider schnell,
dass dieser Kater war nicht hell,
der Goethe war wohl nicht sein Ding,
auch wenn die Nas' im Buch schon hing.


Elke:

Da blieb nur eins, der Faust muss her,
ne dicke Faust, die mächtig schwer,
dem Kater haut auf´s gier´ge Maul.
Wir Mäuse waren nun nicht faul.

Rasch formten wir uns zu ner fetten
Faust, um unsren Hals zu retten,
und schlugen eins,zwei,drei fest zu,
der Kater haute ab im Nu.


KarlHeinz:

Doch uns're Freude währt nicht lang,
nun wird es uns schon wieder bang:
der Kater war zwar fett, doch nicht dumm,
und schon strich er wieder um uns rum.

Da fiel mir ein, es war doch eben
ein Buch sollte mir helfen zu leben.
Wie hieß der Kerl nur, der schrieb es so,
der schrieb den Schinken 'De bello gallico?'

Der kann uns doch helfen, so oder so,
doch, bloß wo finden wir den Hund Gallico?
Der würde sie verjagen, die fette Katze,
für uns würde er regen die große Tatze.


Estel:

Der Hundezwinger vor der Haustür lag,
das war zu weit, das war zu arg,
doch da kam mir eine Idee,
als ich den kleinen Lichtstrahl seh'!

Das Licht fiel aus der Kellerdeck'
eine Fenster war da, das war nett!
Der Schatten macht aus Mäuslein zwo
sogleich den Werhund Gallico!

Als die Katz' den Schatten sah,
rannte sie, das war doch klar,
das Haar gesträubt von Kopf bis Schwanz,
wir Mäuse wagten einen Tanz.


Astrid:

Und die Moral von der Geschicht
Lauf weg vor einem Kater nicht
Kollektiv verjagt die Katz'
Habt keine Furcht vor seiner Tatz'

Und auch sein Maul kann dann nichts tun
Auch wenn er riesen Kohldampf nun
Denn Einigkeit, die macht sehr stark
Und kostet keine müde Mark!


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