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Der letzte Magier
(© KarlHeinz Graumann)
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Weites Land, dichte Wälder, durchschnitten von einem breiten Strom, der sich schlängelnd seinen Weg zum Meer bahnt. Unermessliches Grün, so weit das Auge schauen kann.
Wie Schemen tauchen sie auf und verschwinden wieder, Jäger, die Nahrung für ihren Stamm beschaffen. Abends kehren sie, vollbepackt mit frischem Fleisch, heim in ihre kleinen, unscheinbaren Dörfer. Dort werden sie freudig empfangen, allen voran schreitet der Stammesdruide, der Magier. In jedem Dorf lebt ein solcher, Träger uralten Wissens. Er hilft den Seinen bei Krankheit und Not, beschwört die Geister der Verstorbenen und der vielen Naturgeister, erzählt Geschichten aus längst vergangenen Tagen. Die heimkehrenden Jäger werden von ihm gesegnet, damit sie auch in Zukunft für das leibliche Wohl des Stammes sorgen können.

Nebelschwaden steigen auf vom großen Fluss, ein eiskalter Hauch liegt über dem Land. Am Himmel steht der Mond, beleuchtet es mit seinem geisterhaften Schein. Ein plötzlicher Windstoß treibt die Nebelwand auseinander. Träge fließt der Fluss, begradigt, seiner Kurven und Strömung beraubt, zum Meer. Hier und das vereinzelte, verkrüppelte Bäume, sonst nichts.
In der Ferne eine große Stadt, Fabriken, Schornsteine. Abgase verpesten die Luft, machen das Atmen schwer. Frei lebende Tiere gibt es kaum noch, sieht man von den Heerscharen von Ratten ab, die sich an den Abfällen der Menschen gütlich tun.

Die Welt ist arm geworden im geistigen Sinne. Zauberer, Hexen und Magier haben ausgedient, werden nicht mehr gebraucht.
Im Laufe der Zeit haben sich ihrer viele verabschiedet von dieser Welt. Nein, sie sind nicht gestorben, Magier und Hexen können nicht sterben. Sie sind eingegangen in die Unendlichkeit des Universums.

Nur einer, ein einziger dieser Mächtigen, ist noch übrig geblieben. Einst war er Herrscher überzahllose Hexen und Elfen. Er hatte die Jäger der Vorzeitmenschen gesegnet, die Krieger der Germanen gegen Eindringlinge unterstützt, Menschen des Mittelalters von Krankheiten befreit.
Doch nun ist auch für ihn die Zeit gekommen, Abschied zu nehmen. Er und seine Macht, sein Wissen und seine Geschichten werden in der heutigen schnelllebigen Zeit nicht mehr benötigt. Sehnsüchtig denkt er zurück an die Jahrhunderte der Erfüllung seines Lebens.
Doch dann geht ein Ruck durch den Magier, er wendet sich seinem Land, das sich so sehr verändert hat, zu. Zu seiner Rechten erscheint sein letzter und einziger Freund, das uralte Einhorn. Dieses letzte Fabeltier wird ihn nun begleiten.
Der Magier breitet seine Arme weit aus, wie um sein Land zu umarmen:
„Ich werde zurückkehren, wenn ihr mich ruft. Wenn ihr meiner Weisheit, meiner Kraft und meiner Geschichten bedürft.“ Nach diesem Schwur nimmt er das Einhorn in den Arm, breitet seinen wehenden Umhang aus und ..
verschwindet in den unendlichen Weiten des Universums.
An der Stelle, an der er eben noch stand, bleibt eine Träne wie ein Tautropfen zurück.


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