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Michael und die sieben Chirurgen
(© Justus Holm)
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Es war einmal eine prächtige Villa in Beverly Hills. Dort lebten der König und die Königin des Souls mit ihren Kindern. Alle waren sie Farbige.
Eines schönen Tages saß der König am Flügel und komponierte ein neues Lied. Da fiel die Tastenklappe herunter und quetschte dem König die Finger, so das Blut hervortrat. Ein Tropfen Blut fiel auf die Tasten.
Als er das sah, dachte der König: "Ich wünsche mir ein Kind mit Haaren schwarz wie die schwarzen Tasten, mit Haut weiß wie die weißen Tasten und Wangen rot wie das Blut."
Bald danach bekam seine Frau einen Sohn, der hatte zwar Haare schwarz wie die schwarzen Tasten aber seine Haut war braun wie Kaffee und rote Wangen hatte er auch nicht. Der Sohn wurde Joseph genannt.
Aber kurz nach der Geburt starb der König. Nach einem Jahr nahm sich die Königin einen neuen Gemahl. Er war ein sehr guter Sänger, aber sehr arrogant und so eitel, daß er es nicht leiden konnte wenn jemand besser singen und tanzen konnte als er selbst. Der König der Sänger hatte einen Computer. Darauf war ein Programm, das automatisch über Internet die Hitlisten der Welt prüfte.
Jeden Morgen fragte der König ihn: "PC, PC gib bekannt, wer ist der beste Sänger im ganzen Land?"
Der Computer antwortete ihm: "Ihr Herr König, seid der beste Sänger im ganzen Land."
Da war er zufrieden, denn er wußte, daß der PC immer die Wahrheit sagte.
Joseph aber wuchs heran, konnte immer besser singen und tanzen und als er sieben Jahre alt war, hatte er seine erste Single herausgebracht. Damit hielt er sich viel länger in den Hitlisten als der König es jemals war.
Eines Morgens fragte der König wieder den Computer: "PC, PC gib bekannt wer ist der beste Sänger im ganzen Land?"
Der Computer antwortete ihm: "Herr König, Ihr seid der beste Sänger hier, aber Joseph singt tausendmal besser als ihr."
Das ärgerte den König so sehr, das er seinen Manager kommen ließ und diesem befahl Joseph einen Vertrag nach Kasachstan zu vermitteln. Der Manager führte Joseph in sein Büro und hielt ihm schon den Füller hin, da weinte das Kind bitterlich und bat den Manager ihn nicht nach Kasachstan zu schicken.
"Ach lieber Manager, las mich hier, ich will auch mein Aussehen verändern und mir einen anderen Namen geben und nie mehr nach Hause zurückkehren."
Da erweichte sich das Herz des Managers und er sprach:" So lauf, du armes Kind, ich werde dich nicht nach Kasachstan schicken!"
Die Unterschrift Joseph`s ließ er von einem Fälscher unter den Vertrag setzen. Dem Jungen aber gab der Fälscher einige Dokumente mit seinem neuen Namen. Er sollte jetzt Michael heißen.
Mutterseelenallein streifte Michael durch den Dschungel Los Angeles, bis er zufällig in das Foyer einer Klinik für plastische Chirurgie trat. In diesem Haus war alles so fein und sauber, das man es kaum glauben konnte. In der Cafeteria standen auf einem Tisch sieben Tellerchen, sieben Besteckchen und sieben Gläschen. Von jedem Tellerchen aß Michael ein wenig, aus jedem Gläschen trank er ein wenig. Dann wurde er müde, legte sich in der Schlafkammer in eines der sieben Bettchen und versank in tiefen Schlaf. Als er am Morgen erwachte, erblickte er um sich herum sieben maskierte Gestalten in grünen Gewändern.
Joseph fragte den Ersten, wer sie seien.
Dieser antwortete: "Wir sind die sieben Chirurgen und ich bin der Oberchirurg. Wir verwandeln unglückliche Menschen von morgens in der Früh bis abends spät in wunder- schöne Jungfrauen und Jünglinge."
Der Königssohn konnte sein Glück kaum begreifen, hatte er dem Manager doch versprochen sein Aussehen zu verändern.
"Nur zu, ihr zauberischen Chirurgen, verwandelt mich in einen Mann mit weißer Haut, glatten schwarzen Haaren und roten Wangen!"
"Dein Wunsch sei uns Befehl!" sprach der Oberchirurg.
Ein Chirurgen stach ihn mit einer Nadel und hielt ihm eine Maske vor das Gesicht. Er versank in tiefen Schlaf. Als er erwachte, war er am ganzen Körper verbunden. Bald jedoch kamen Frauen in weißen Gewändern und lösten den Verband von seinem Körper.
Ein freundlich lächelnder Greis kam zur Tür herein: "Michael, ein glückliches Schicksal hat dich hergeführt. Du wünschtest dir ein anderer Mensch sein. Sieh nun was aus deinem Wunsch geworden ist!"
Mit diesen Worten hielt er Michael einen Spiegel hin und dieser erblickte einen Jüngling mit weißer Haut wie weiße Klaviertasten, mit schwarzen Haaren wie schwarze Tasten und Wangen rot wie Blut. Froh ging er in das nächste Aufnahmestudio, produzierte ein neues Album und ein Video und wurde sehr berühmt.
Eines Morgens befragte der König wieder seinen Computer: "PC, PC gib bekannt, wer ist der beste Sänger im ganzen Land?"
Der Computer antwortete ihm: "Ihr Herr König, seid der beste Sänger hier, aber Michael in Los Angeles hinter den sieben Wolkenkratzern bei den sieben Chirurgen singt tausendmal besser als ihr."
Als der König das hörte, wurde er vor Wut grün und blau. Er fragte den Computer, wer denn dieser Michael sei und ihm wurde geantwortet:
"Herr König, Michael ist Joseph und kein anderer."
Da erschrak der König. Aber schnell faßte er wieder Mut, verkleidete sich als Gitarrenspieler und ging nach Los Angeles hinter den sieben Wolkenkratzern. Bald kam er an das Aufnahmestudio. Dort traf er Michael, den er sofort an seiner Stimme erkannte. Der König jedoch verstellte seine Stimme, so das Michael nicht wußte wer er war.
"Ich habe hier ein wunderbares Haarverschönerungsmittel. Wenn du das in dein schönes schwarzes Haar reibst, lieben dich die Fans noch mehr!" lockte der König.
Michael gefiel es, daß die Fans ihn liebten, denn sein böser Stiefvater liebte ihn überhaupt nicht. So nahm er das Wundermittel und rieb es sich in die Haare. Augenblicklich fiel er um und rührte sich nicht mehr. Als die sieben Chirurgen Michael am Abend abholen wollten, sahen sie ihn am Boden liegen. Sie taten alles, was in ihre Macht stand, aber Michael erwachte nicht mehr. Sie dachten, daß er tot sei und weinten sehr. Einer von ihnen kannte einen begnadeten Sargbauer. Der fertigte einen Sarg aus Glas. In diesen wurde Michael hineingelegt und im Foyer der Klinik aufgestellt.
Kaum war der König der Sänger wieder in seiner Villa, befragte er seinen Computer: "PC, PC gib bekannt, wer ist der beste Sänger im ganzen Land?"
Der Computer antwortete ihm: "Ihr Herr König, seid der beste Sänger im ganzen Land."
Da war der König wieder zufrieden. Eines Tages kam eine schöne und selbstbewußte Toxikologin in die Klinik, sah Michael im gläsernen Sarg liegen und verliebte sich unsterblich in ihn. Sie erkannte sofort was den todesähnlichen Schlaf hervorrief und wusch ihm die Haare. Sofort erwachte Michael, sah die schöne Frau und verliebte sich in sie. Sie begaben sich zur prächtige Villa der Toxikologin, denn in Wirklichkeit war die Forscherin eine Prinzessin und ihr Vater der König des Rock 'n' Roll. Diesem gutherzigem Mann vertraute Michael seine Geschichte an, deren Verlauf den Monarchen in große Wut versetzte. Er rief die Königin des Soul an und berichtete ihr von Michael. Auch die Königin ärgerte sich sehr.
Aus Rache für Michaels Schicksal liess sie den König der Sänger so lange singen und tanzen, bis er tot umfiel.
Michael und die Prinzessin aber lebten fortan glücklich und zufrieden bis an ihr Lebensende.


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