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Der fliegende Koffer
(© Estel)
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Ein Koffer in der Ecke stand
und dacht':"Das ist doch allerhand!
Die Sommerzeit die kommt herbei
und allen ist das einerlei.
Wenn keiner will auf Reisen gehn',
pack' ich mich selbst, ihr werdet's sehn!

Mei Packerl ist geschwind geschnürt,
ein Koffer nicht viel mit sich führt.
Der Kulturbeutel muß mit hinein,
denn Kultur, ja die muß sein!
Der Müsliriegel wär' nicht schlecht,
im Urlaub kommt Appetit erst recht.

Doch wie, nur wie, komm ich voran
ohn' Fahrrad, Käfer, Eisenbahn?
Wenn keiner mich mit dem Motorroller fährt,
läuft mit dem Urlaub was verkehrt."
'Ne gute Fee den Notfall sieht:
"Abrakadabra!" Der Koffer sommerwärts entflieht.

Ganz leicht nun fliegt er in der Luft
und atmet froh den Freiheitsduft.
In Sachsen er sieht Rennpappen fahrn,
in Italien sind Kabinenroller dran.
Länder ziehn unter ihm vorbei:
Irland, Schottland, Slovakei.

Andorra läd zur Pause ein,
er will dort einkaufen, zollfrei sein!
Doch ein Radiergummi nur er find,
da reist er weiter mit dem Wind.
In Griechenland er einen Schäfer sieht
und läßt sich begleiten von seinem Flöten-Lied.

Wasser ihn in Zypern reizt,
doch nur für ein Schlauchboot reicht sein Geiz!
Danach denkt er: "Nun ist's genug!"
Und heimwärts geht der Kofferflug.
Ein Reiseandenken zum Wahrheitsbeweis:
eine Tapetenrolle mit Bildern von italienischem Eis!


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