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Ernst des Lebens
(© Astrid Hinkelmann, Britta Lüthe, Wilfried Neumann, Estel, Jeanne)
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Wilfried:

In einer dunklen finst´ren Nacht,
Vati lag da, die Mutter lacht,
vergnüglich, es ging nicht daneben,
begann für mich der Ernst vom Leben.

Entdeckt vom Doktor, frohe Kunde,
verkündet er aus seinem Munde,
der Mutti , die war leichenblass,
„ein Embryo macht sehr viel Spaß".

Ich wuchs heran, ohne Anleitung,
langweilig wars, gab keine Zeitung.
Meine Beinchen und die Händchen auch,
rammte ich oft gegen Mamas Bauch.

Es war vermutlich meine Schuld,
nach Monaten riss die Geduld,
der Arzt tat mich aus dem Bauch heben,
erneut begann der Ernst vom Leben.

Britta:

Im ersten Jahr ging alles glatt,
wie gut, wenn man 'ne Mutter hat,
die einen durch die Gegend trägt, v
on morgens früh bis abends spät.

Doch eines Tages sprach sie dann:
"Du fängst jetzt schnell zu laufen an,
denn langsam wirst Du schwer, mein Kind,
der Ernst des Lebens jetzt beginnt!"

Astrid:

Nun, dies war überhaupt nicht gut
Es fehlte mir zwar nicht an Mut
Doch wollte ich die Beine schonen
Damit man später sie kann klonen.

Doch meine Mutter, die blieb' hart
Mir blieb' also nicht erspart
Meine Füßlein zu benutzen
Sie dabei *heul* zu beschmutzen

Wilfried:

„Es reicht nicht aus“, sprach streng der Vater,
meint er es ernst, war’s nur Theater,
„mit Beinen sich auf Land bewegen,
wir werden sie ins Wasser legen“.

Das erste Nass erhielt mein Kopf.
Ein schwarzer Mann griff mich am Schopf,
ließ fließen über mich `nen Bach,
ich wehrte mich mit lautem Krach.

Jeanne:

Die Windel voll und schwer zog mich zu Boden,
mit ach und Krach hab ich mich wieder hochgezogen.
Die Grossen würde ich gern sehen,
mit einem Bleigewicht am Hintern gehen!

Astrid:

"Noch viel mehr gibt es im Leben
als nur das kühle Nass erleben"
rief meine Mutter mir ins Ohr
und führte so den Hörsinn vor.

Auch das Riechen und das Schmecken
gab' es für mich dann zu entdecken
Das Schmecken, das begann mit Brei
Dies war mir nicht einerlei!

Britta:

Aber da ging es schon weiter,
nein, das war nun gar nicht heiter,
wollt' ich Essen gern begreifen,
Muttern kam sofort mit Seifen!

Wilfried:

Ich quietschte sehr vergnügt im Schaum,
bemerkte dabei leider kaum,
die Seife und das ist kein Schwindel,
war gut für Mensch, nützlich für Windel.

Mit Essen, Spielen, Sauberkeit,
verging vergnüglich ein`ge Zeit.
Bald kam ich in den Kindergarten,
soll jetzt der Ernst des Lebens starten?

Britta:

Ein Paradies dort ich wohl fand,
zum Spielen gab es allerhand,
ich amüsierte sehr dort mich,
der Ernst des Lebens war das nicht!

Wilfried:

Der Hanni zog ich ihren Zopf,
dem Kurtchen goss ich auf dem Kopf
ein ries'ges Glas voll Apfelsaft,
Tante Frieda war sehr geschafft.

Britta:

Und eines Tages war's so weit,
für mich fing an die Schülerzeit.
Nun dachte ich, jetzt ist's so weit,
der Ernst des Lebens macht sich breit.

Mit Zuckertüte ging ich stolz
zu meiner Bank, die war aus Holz.
Und dort entdeckte ich sobald,
wie man das Holz sehr schön bemalt.

Estel:

Doch halt, dem Lehrer war`s nicht recht,
zum Mal'n die Bank, das fand er schlecht!
Buchstaben sollte ich schreiben, auf`s Papier,
den Ernst des Lebens, den fand ich nicht hier.

Was anderes war der Matheunterricht,
die Zahlen, oh, die fürchtete ich,
so stellte sich ganz still und geheim
für mich der Ernst des Lebens ein.

Britta:

Doch hatte ich so dann und wann,
'nen wunderbaren Nebenmann,
das machte mir die Sache leicht,
so hab ich manches schon erreicht.

Es zeigte sich, was ernst aussah,
doch gar nicht ganz so tragisch war.
Und so mancher frecher Streich
gestaltete mein Leben reich.

Astrid:

Ich legte einmal rohe Eier
In den Hut von Lehrer Meier
Ein andres Mal 'nen Regenwurm
Auf den Kopf von Frl. Sturm!

Und auch Liesel musste leiden
Tat ich ihr die Haare schneiden
Im neusten Look von 'Blumentopf'
Schnipp schnapp - futsch ihr langer Zopf.

Britta:

Ein böser Blick von Rektor Kuhn,
der zeigte mir, ernst wird es nun,
doch richtig albern wurd' es dann,
was er darauf mit mir getan.

Estel:

Ich musste vor die zu'e Tür,
-der Rektor konnte nichts dafür-
es sollte eine Strafe sein,
'ne Freistund' war's, ich fand das fein.

Britta:

So zog wohl Jahr um Jahr ins Land,
den Ernst des Lebens ich nicht fand,
drum dachte ich, es wär ganz nett,
wenn ich auch eine Freundin hätt'.

Astrid:

Ich suchte hier und suchte dort
Ich lief umher von Ort zu Ort
Doch überall da hatt' ich Pech
Denn alle jagten mich nur 'wech'!

Estel:

So überlegt' ich kreuz und quer,
wo krieg'ich eine Freundin her?
Um der Weiblichkeit zu imponieren,
wollt' ich's mit Tanzen ausprobieren.

Astrid:

Und sieh', beim Tanz mit Gretilein
Da hatte ich tatsächlich Schwein
Auch wenn ich trat' auf ihren Fuß
Gab' sie mir meinen ersten Kuß.

Estel:

Und dieser Kuß, der warf mich um!
Drum dacht' ich mir -ich war nicht dumm-,
warum sollte ich auf den Ernst des Lebens warten,
wenn's Mädchen gibt, so viele Arten!

Britta:

Doch eine wusste ganz genau,
dass sie wollt werden meine Frau,
sie sah schon Kinderlein und Haus,
ich sah schnell zu, dass ich kam raus.

Estel:

Ich dachte mir: Wie geht's nun weiter,
ist's Leben denn wirklich nur heiter?
'Ne Arbeit wollte ich suchen mir,
vielleicht steckte der Ernst des Lebens hier?

Wilfried:

Ich bewarb mich bei `ner Firma,
um zu lernen von der Irma,
Handwerk, Kunst und Fertigkeiten,
arbeiten zu frühen Zeiten.

Irma lud mich ein zum Test,
das war ernst und gar kein Fest,
war das der Beginn vom Leben,
denn der Test ging voll daneben.

Estel:

Die Irma sagte: "Junge, nee,"
und lud mich ein zum Birnentee,
"das Leben ist hart, mußt noch viel lernen
und nicht greifen nach den Sternen."

Britta:

Doch schienen sie zum Greifen nah,
als ich in Irmas Augen sah,
und so sagt' ich: "Es wär doch fein,
wenn ich heut nacht könnt bei Dir sein."

Estel:

Und wir sanken in die Kissen,
umgaben uns mit vielen Küssen,
war'n uns unter Decken nah,
bis der neue Tag die Sonne sah.

Britta:

Schon dachte ich, ich müsste eilen,
sonst tät der Ernst mich noch ereilen.
Und wie ich aus dem Raume schlich,
da rief die Irma ganz laut mich!

Estel:

"Hat Spaß gemacht mit dir die Nacht,
doch weiter hat' ich nicht gedacht!
Drum mußt du dich nicht heimlich schleichen,
ich werd' dir noch 'nen Kaffee reichen."

Britta:

Erleichtert ich die Stirn mir wischt',
der Ernst des Lebens war vom Tisch,
und lächelnd setzt' ich mich zu ihr
und dachte, bleib ich halt noch hier.

Doch weiss ich nicht, wie es geschah,
nach Wochen war ich immer noch da.
Und was als Spielerei begann,
nahm jetzt doch ernste Maße an.

Estel:

Wochen gingen zwei ins Land,
ich bat die Irma um ihre Hand.
Und es verging kein halbes Jahr,
da standen wir vor dem Altar.

Der Pfarrer sprach: Jetzt hört es dann,
nun fängt der Ernst des Lebens an!
Verantwortung zu tragen es nun gilt
für Weib und Kind, so Gott es will!

Die Zeit verging uns wie im Flug,
die Irma ein Kind im Bauche trug.
Der Kreis, der schloss sich alsdann,
denn so fing auch mein Leben an.


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