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(© Erica Stöckli) |
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Eigentlich ist alles Meditation was man den ganzen Tag über macht, wenn man sich bewusst auf das konzentriert, was man gerade tut. Und wenn dieses zielgerichtete Tun etwas ist, das nicht gegen Sitten und Moral verstösst, wie sogenannt normale Menschen dies üblicherweise verstehen. Aber wenn ich mich einmal speziell hinsetze, mit dem Vorsatz, zu meditieren, gelingt mir dies fast nie. Da ich aber an allem interessiert bin was mit Medialität, mit Hellsehen. Hellhören und Hellfühlen zusammenhängt, besuchte ich öfter im Jahr Wochenend-Seminare, die angeboten werden damit interessierte Menschen selbst erproben können, ob in ihnen solche Fähigkeiten schlummern, die nur darauf warten, durch ausgesuchte Uebungen geweckt zu werden. So lernte ich einige gleichgesinnte Menschen kennen, und, als durch ungünstige äussere Umstände, für eine gewisse Zeit keine solchen Seminare mehr angeboten werden konnten, war ich sehr enttäuscht. Und genau gleich wie ich bedauerten es auch einige andere Seminarteilnehmer. Da wir aber durch diese Kursteilnahme auch erfahren hatten, dass eine sehr liebevolle, sensible und sehr medial veranlagte Frau sich schon lange gewünscht hatte, mit einer kleinen Frauengruppe zusammen zu arbeiten, auf einer reinen Interessenbasis nur der Sache wegen, und nur mit Beteiligung an den relativen Kosten für die Miete eines Lokals für unsere wöchentlichen Zusammenkünfte, fanden sich schnell einige Gleichgesinnte zusammen. Wir waren, zusammen mit unserem Medium als Leitern, gerade sieben Frauen, eine Zahl, die mich seit jeher fasziniert und ich war überzeugt davon, dass ich es nicht besser hätte treffen können. Alles entwickelte sich gut und schnell und schon für den folgenden Monat hatte Yvonne, unser Medium, durch eine glückliche Fügung einen jeweils am Montag Nachmittag freien Raum bei einer mit ihr befreundeten, selbständig praktizierenden Therapeutin gefunden. Und dies für den fast nur symbolischen Mietbetrag von hundert Franken im Monat. Und da wir diese geringe Summe durch sechs teilten – denn Yvonne sollte dabei frei gehalten werden – konnten wir über diesen fast unglaubwürdigen Umstand in der heutigen, fast nur noch profitorientierten Gesellschaft, nur staunen. Yvonne begann diese Nachmittage meistens mit einer kurzen Uebung. Ganz am Anfang schlossen wir uns kurz, wie wir dies nannten, d.h. wir sassen im Kreis, fassten uns an den Händen, schlossen die Augen und konzentrierten uns darauf, harmonisch miteinander arbeiten zu können. Manchmal liess Yvonne mit einem feinen Glöckchen leise Töne erklingen, oder sie drehte und schüttelte sachte ein sog. Indianisches Regenrohr und berieselte uns so, sich hinter jede einzelnen stellend, mit diesem feineren oder stärkeren Rauschen. Alle diese feinen Geräusche wirkten sehr wohltuend und entspannend als Vorbereitung auf unsere Arbeit. Und oft schloss sich an diese einstimmenden Uebungen auch eine kurze, geführte Meditation an. Und – was ich zu Hause und alleine – fast nie fertigbrachte, gelang mir in dieser Umgebung meist auf Anhieb. So auch an jenem Nachmittag. Yvonne führte uns mit ihren Worten und ihrer feinen, einfühlenden Stimme. Man musste sehr aufmerksam zuhören, denn sie sprach sehr leise, fast flüsternd. Ich folgte ihren Worten, stieg in Gedanken, so wie sie es wünschte, die Treppe hinunter, ging aus dem Hause und stellte mir eine schöne, ruhige und einsame Landschaft vor. Yvonne führte uns, leise weiter redend, auf eine Wiese, öffnete ein imaginäres Gartentor und wies uns an, hindurchzuschreiten. Dann sollte jede sich alleine von diesem Tor entfernen und sich einfach forttragen lassen von dem was sich uns zeigte, jede auf ihre ganz eigene Weise. Wie jedesmal schoss mir der Gedanke durch den Sinn, dass ich wohl versagen würde, was aber nie der Fall war; weshalb weiss ich auch nicht! Da stand ich nun, mit den Füssen, die im saftig grünen Gras fast nicht mehr zu sehen waren. Ich wartete, wusste nicht auf was, hoffte aber, dass bald etwas geschehen möge. Plötzlich stand links und ein wenig vor mir ein kleiner, weisser Wetshighland-Terrier. Ich sah ganz deutlich sein sauberes, gestriegeltes Fell. Er hatte ein schmales, schwarzes Lederhalsband an. Breitspurig, startbereit stand er da, sah sehr stark und solide aus und schien darauf zu warten, dass ich mich in Bewegung setze. Als dies jedoch nicht der Fall war, da ich nur staunend auf ihn herunterblickte, bog er seinen Kopf leicht nach oben. Die rote Zunge blitzte zwischen schneeweissen spitzen Zähnen auf, die lustigen schwarzen Augen bildeten zusammen mit der ebenfalls schwarzen Nase ein symbolisches Dreieck. Nachdem er mich auffordend angeblickt hatte, setzte er sich gemächlich in Bewegung, Pfote um Pfote fest, wie stampfend aufsetzend, wobei er ein, zwei Mal zurückblickte, um sich zu vergewissern dass ich ihm folgte. Sein kurzes Stummelschwänzchen wackelte dabei lustig hin und her. Wie von einem magischen Faden gezogen folgte ich dem lustigen Kerl, der gemütlich weiter trottete. Das Gras um uns wurde immer gelber, wurde goldig und höher und darin erschienen immer mehr bunte Blumen, blaue, gelbe und sehr viel rote. Es war eigentlich schon lange kein Gras mehr, es waren hohe Halme, durch die man gut hindurchsehen konnte. Plötzlich blieb mein Pfadfinderhund stehen. Auch ich hielt an, schaute mich um. Zu meiner linken Seite entdeckte ich, verteilt zwischen diesen sonderbaren goldenen Halmen und bunten Blumen Kühe, Rehe, Hirsche. Die Kühe lagerten, friedlich wiederkäuend, Rehe und Hirsche, und dazwischen war noch kleineres Wild in Gruppen, bewegten sich langsam, äsend. Aber alle schauten aufmerksam in meine Richtung, wohlwollend und sehr neugierig, wie mir schien. Ohne Spur von Angst oder Gedanken an Flucht. Mein kleiner weisser Freund schaute erneut zu mir auf und lenkte doch tatsächlich meinen Blick und meine Aufmerksamkeit auf die andere Seite, nach rechts. Ich folgte seiner stummen Aufforderung und in einiger Entfernung lagerten ganze Gruppen von Löwen, Tigern Pumas und noch einigen andern Tieren, die ich im Moment gar nicht benennen konnte. Wohlig lagen sie alle da, kein einziges Tier lief herum. Aber auch von ihnen wurde ich aufmerksam in Augenschein genommen. Und, merkwürdig: ich hatte überhaupt keine Angst. Interessiert und ruhig schaute auch ich zu diesen mir ungewohnten Tieren hin, als wäre dies die normalste Sache der Welt. In diese grosse Ruhe und Stille hinein ertönte plötzlich lautes, freudiges, vielstimmiges Gebelle. Ich schaute aufgeschreckt in die Richtung aus welcher es kam. In einiger Entfernung sah ich auf einem Hügel ein grosses, weisses Schloss, dessen gestaffelte Dächer von leuchtend roten Ziegeln bedeckt waren , und das ganze Gebäude wurde von etlichen spitzen Türmchen überragt, die ebenfalls mit den gleichen roten Ziegeln in die Gegend leuchteten. Eine weisse Mauer umschloss diesen grossen Gebäudekomplex, in deren Mitte ein riesiges wunderschönes schmiedeisernes Tor prangte. Plötzlich öffnete sich dieses Tor und hervor sprang eine ganze Hunde-Meute., zusammengsetzt aus allen erdenklichen Rassen und Grössen. Sie sprangen sich gegenseitig an, zwackten sich, hüpften,liefen durcheinander, bellten in allen Tonarten. Fasziniert starrte ich auf die Szene die sich mir bot. Und da sah ich es: wie eine kleine Kanonenkugel löste sich aus dieser Hundegesellschaft ein kleiner, dunkler Yorkshire-Terrier. Er schoss unheimlich schnell den Hügel herunter, mit wehenden Barthaaren, in den höchsten Tönen bellend und jaulend und landete mit einem riesigen Satz in meinen Armen. Ich stand starr wie eine Salzsäule, meine so liebe und schon lange vermisste Hündin an mein Herz drückend und nicht wissend, wie mir geschah. Unsere beiden Herzen hämmerten wie wild, so als wollten sie sich befreien um sich vereinen zu können. Ich war unsagbar selig, ein nie gekanntes Glücksgefühl durchströmte mich. Ich weiss nicht, wie lange ich so stand, aber plötzlich waren meine Arme leer – traurig liess ich sie sinken. Aber da schaute mich mein kleiner weisser Westi fast gebietend an, machte rechtsumkehrt und trottete, stapfend wie beim Hinweg, den gleichen Weg zurück, den wir gekommen waren. Traurig, aber trotzdem glücklich ging ich hinter dem kleinen weissen Hund mit dem schwarzen Lederhalsband, dem roten Zünglein und den munteren schwarzen Augen her. Die hohen, goldenen Halme verschwanden, das Gras war wieder kurz und dicht wie ein grüner Teppich und wir langten dort an, wo der kleine Hund vordem auf mich gewartet hatte. Er blieb einfach dort stehen, es sah fast so aus deute er mit seinem Kopf in die Richtung, in die ich weitergehen musste. Dann war er verschwunden. Ich schritt weiter, kam an Yvonnes imaginäres Tor, schritt hindurch und hörte gerade noch, wie sie sagte, wir sollten nun wieder langsam zurückkommen, erst die Füsse, dann Hände und Arme leicht bewegen, die Augen aufmachen und wieder voll da sein. Als ich später meine Erlebnisse erzählen sollte, die ich während dieser
Meditation hatte, denn dies war ein Teil unserer Uebungen, damit eine
jede an den Erfahrungen der andern teilhaben konnte, genierte ich mich
und wusste nicht recht, ob ich damit herausrücken solle. Ich tönte nur
sachte an, ich sei im „Hundehimmel“ gewesen. Zwar schmunzelten die restlichen
Teilnehmerinnen, als sie diese Ankündigung hörten , doch Yvonne ermunterte
mich mit den Worten: Und ich weiss, dass ich tatsächlich in einer andern, lebendigen Dimension gewesen bin, und dass auch die Tiere ihre guten Orte haben, nach ihrem mehr oder weniger angenehmen Erdenleben. Und dies tröstet mich über viele Abschiede hinweg. |
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