| Britta: |
Wütend stapfte Dwarf, der Regenzwerg, hin
und her und schimpfte wie ein Rohrspatz:
"So ein Mist, vor ein paar Wochen hat es noch sooo schön
geregnet und jetzt scheint die blöde Sonne und trocknet alles
aus!"
Zornig stampfte er mit dem Fuss auf den knochentrockenen Boden und
begann sofort zu niesen.
"Hatschi," prustete er, "dieser verdammte Staub!
So kann das nicht weitergehen! Ich wander aus!"
Nachdenklich hielt er inne und kratzte sich am Kopf.
"Hm...auswandern? Ist eigentlich gar keine schlechte Idee.
Ich werde einfach den Regen suchen gehen!" überlegte er.
Schnell eilte er in seine kleine Hütte, packte sein Bündel
und machte sich auf den Weg...
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| André: |
Doch in welche Richtung sollte
er gehen? Er schaute zum Himmel: alles blau, nicht die kleinste Wolke
zu sehen. Er befragte einen kleinen Steintroll, der zufällig
des Weges kam, ob er den Regen gesehen habe.
"Den Regen? Wer mag den schon! Ich sehne mich nach Sonne und
schaue nicht nach Regen, vor dem suche ich höchstens Schutz und
sehe zu Boden. Wo die Sonne auf und untergeht, das kann ich dir gerne
sagen, doch dem Regen will ich keine Beachtung schenken".
Sicherheitshalber ließ Dwarf sich beschreiben, wo die Sonne
im allgemeinen auf und unter ging. Doch das entmutigte ihn etwas:
Die Sonne nahm ungemein viel Raum im Himmel in Anspruch. An einem
einzigen Tag durchmass sie das ganze Himmelszelt, war da überhaupt
Platz für Regen?
Während Dwarf tief in Gedanken versunken überlegte, wie
man denn den Regen aufspüren könnte, begann er mit seinen
großen Füssen feine Vibrationen im Boden zu spüren.
Erst als die Schwingungen seine ausgetrockneten Fußsohlen kitzelten,
wurden sie ihm bewusst. War da womöglich ein Gewitter im Anzug?
Hat der Regen IHN gefunden und er brauchte sich gar nicht auf die
Suche machen? Gespannt untersuchte Dwarf den Himmel auf Anzeichen
von Wolken. Irgendwo müsste doch etwas zu sehen sein. Doch der
Himmel strahlte unablässig seine blaue Hitze ab, und Dwarf konnte
kein Anzeichen für ein Unwetter erkennen. Die feinen Vibrationen
waren stärker geworden und er konnte auch ein fernes Grummeln
hören. Dort, am Horizont, eine Staubwolke! Was war das nur? Das
Grummeln wurde immer lauter und schwoll zu einem Dröhnen an,
die Erde erzitterte immer heftiger. Die Staubwolke wurde immer größer
und kam rasch näher. Dwarf bekam es mit der Angst zu tun. Was
kam da nur so schnell auf ihn zugeschossen? Er musste sich die Ohren
zu halten, so laut wurde das Dröhnen und Stampfen, seine großen
Füße gaben ihm auf dem bebenden Boden gerade noch soviel
Halt, dass er nicht hinfiel. Dann erkannte Dwarf was es war: eine
riesige Lastkutsche, die wohl von zwei dutzend großen schwarzen
Pferden gezogen wurde. Solch ein Ungetüm hatte Dwarf noch nie
gesehen! Beladen war das Gefährt mit hunderten von Fässern
aus Holz. Mit lautem quietschen, krachen und stöhnen, stoppte
das Gespann, als es bei Dwarf angekommen war. EsDoch die größte
Überraschung für Dwarf war der Kutscher des Lastwagens.
Einen so fetten Mann hatte er noch nie gesehen! Er glaubte schon,
ein Phantom vor sich zu haben, da er in dem riesigen weichen Gesicht
keine Augen finden konnte. Erst bei genauerem hinsehen erspähte
er die Augen zwischen der gewaltigen Stirn- und Wangenfalte.
"Kleiner Regenzwerg, du siehst sehr vertrocknet aus, wie wäre
es mit einem Fässchen Wein?" rief der Lastkutscher mit hoher
Stimme vom Kutschbock herunter.
"Mein Name ist Dwarf, fett... großer Mann. Ein Fässchen
Wein könnte mir nur kurzfristig helfen. Ich suche den Regen,
weißt du, wo er ist?" fragte Dwarf und gab sich Mühe,
seine Stimme fest und entschlossen klingen zu lassen. Er fühlte
sich sehr unwohl bei all den riesigen Pferden und dem gigantischem
Wagen.
"Das will ich wohl meinen. Ich bin auf dem Weg in eine Gegend,
wo es ständig regnet. Die Leute dort sind deswegen so betrübt,
dass ich in ihnen gute Kunden für meinen Wein gefunden habe.
Wenn du willst, nehme ich dich dorthin mit. Ich habe am Ende des Wagens
große Fässer mit Wasser für die Pferde, du kannst
in einem von ihnen Platz nehmen." sagte der dicke Kutscher nicht
ohne Häme.
In einem schwappendem nassem Fass ins Regenland? Das gefiel Dwarf!
Er stapfte los Richtung Heck der Lastkutsche, als die Worte des Fahrers
ihn aufhielten.
"Halt mein kleiner Freund, wohin so eilig? Willst du nicht den
Preis für die Passage wissen? Wenn ich dich dorthin bringe, bekomme
ich von dir 10 Silberlinge, vor der Abfahrt!"
Das war ein Problem! Dwarf hatte überhaupt nur 4 Silberlinge.
Herrje, aber er wollte hier weg. Allein schon die Fahrt im nassen
Fass zog ihn magisch an. Allen Anstand beiseite schiebend bot Dwarf
dem Fahrer an: "Acht Silberlinge! Die Hälfte sofort, den
Rest bei Ankunft!?"
"Einverstanden!"
Dwarf kletterte die Leiter zum Kutschbock hoch und es kam ihm wie
die Bezwingung eines hohen Berges vor. Die vier Silberlinge verschwanden
in den fleischigen Händen des Fuhrmanns, wobei Dwarf geschäftig
darauf achtete so zu tun, als ob er die vier Silberlinge aus seinem
Lederbeutel abzählen müsse. Froh, Abstand zum Fahrer zu
gewinnen verschwand der Regenzwerg hinter der Kutsche und machte es
sich in einem halbvollem Wasserfass bequem.
"Kann losgeh´n!" rief er nach vorne.
Mit lautem Peitschenknall setzte das Gespann sich in Bewegung. Auf,
in Richtung des Landes, wo es soooo viel Regen gab.
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| Britta: |
"Haaaaaaalt", hörte
Dwarf plötzlich jemanden laut rufen, und schon purzelte er aus
dem Fass.
Mit einem Ruck hatte die Kutsche angehalten.
"Hey!", brüllte Dwarf sauer, "was soll denn das?
Mein schönes Wasserfass!"
"Psssst!" raunte der Kutscher ihm zu. "Versteck dich,
schnell!"
Erschrocken klappte Dwarf seinen Mund zu, der soeben wieder anheben
wollte zu schimpfen, und er beschloss, dass er ausnahmsweise mal hören
würde.
Schnell sprang er in das inzwischen fast leere Wasserfass, zog einen
Leinensack, der zufällig danebenlag, über sich und wagte
kaum zu atmen.
"Was hast du da geladen?" tönte die Stimme, die eben
noch so herrisch Halt gerufen hatte.
"Oh...äh...", stotterte der Kutscher, "nichts
besonderes, nur... |
| André: |
...Fässer mit köstlichem
Wein! Wollt ihr einen Handel machen?"
Der dicke Kutscher sah sich mit einem Menschenauflauf konfrontiert,
der aus vielen Bauern, Knechten und Mägden bestand. Einige von
ihnen waren bewehrt mit Dreschflegeln und Heugabeln. Sie waren offensichtlich
nicht bester Laune. In der Stimme ihres Anführers schwang deutlich
Gereiztheit mit.
"Wir wollen keinen Wein! Wir sind auf der Suche nach dem Regen,
jemand muss ihn vertrieben haben. Unsere Felder verdorren und wir
können keine Ernte einbringen."
"Das ist ja fürchterlich!" antwortete der Lastkutscher,
der vor lauter Aufregung heftig anfing zu schwitzen.
Dwarf in seinem Versteck lauschte dem Gespräch. Da war also noch
jemand, der den Regen vermisste! Was war nur geschehen? Er grübelte
vor sich hin und genoss dabei die Tropfen, die aus dem Fass über
ihm unablässig auf seinen Kopf fielen. Wassertropfen? Mit einem
mal merkte Dwarf, dass doch eigentlich Wein aus dem Fass tropfen müsste.
Oder war es nur ein weiteres Fass mit Wasser für die Pferde?
Dwarf öffnete den Mund und liess einige Tropfen auf seine Zunge
perlen. Er als Regenzwerg brauchte nur eine Sekunde, um mit Sicherheit
die Herkunft des Wassers zu bestimmen: es schmeckte nach Regen! Was
sollte unser kleiner Freund Dwarf nun tun...?
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| Britta: |
Er hatte jetzt wirklich ein Problem.
Auf der einen Seite war da der wirklich sehr grosse Kutscher, auf
der anderen Seite vermisste ja nicht nur er den Regen, wie er sah.
Vorsichtig schob er die Nase über den Rand des Fasses und versucht
die Lage abzuschätzen. Er erschrak, als er sah, wie viele Leute
die Kutsche umringten.
"Hey Kutscher", zeig uns, was Du in Deinen Fässern
hast!" brüllte eine Stimme.
"Ja los, wir wollen es sehen!"
Dwarf sah, wie sich das Gesicht des Kutschers verfinsterte.
"Wehe, Ihr kommt mir zu nahe", dröhnte er und hob
drohend seine Peitsche.
Die Menschen wichen erschrocken zurück.
"Verdammt," dachte Dwarf, was mach ich denn jetzt nur?"
"Los, halt Dich fest!" rief der Kutscher ihm noch zu,
und dann gab er seinen Pferden die Peitsche.
"NEIIIIIN!" brüllte Dwarf so laut er konnte. Ob das
reichte, dass die Menschen auf ihn aufmerksam wurden?
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| André: |
Nein! Denn im Vergleich zum
Getöse der Peitsche und der sich aufbäumenden Pferde war
Dwarfs Stimme zu leise. Die Lastkutsche nahm bereits schnelle Fahrt
auf, als unser kleiner tapferer Regenzwerg damit begann, ein Seil
- das die Fässer auf dem Wagen sicherte - mit seinem Messer zu
bearbeiten. Schon purzelte das erste Fass von der Ladefläche.
Als es auf den Boden schlug, zerbrach es sofort und sein Inhalt ergoss
sich auf die Erde. So sahen Dwarf und die Leute, die der Kutsche folgten,
dass nicht etwa Wein die Erde nässte, sondern reines klares Wasser!
Über der entstandenen Pfütze bildete sich sofort eine kleine
Wolke, die schnell gen Himmel stieg. Sein Spürsinn hatte ihn
also nicht getäuscht! Der Lastführer musste den Regen gestohlen
haben und wollte ihn wegschaffen. Das sollte ihm nicht gelingen! Immer
mehr Fässer fielen nun vom Lastwagen und Dwarf musste sich vorsehen,
dass ihn keines davon erschlug. die meisten Fässer zerbrachen
beim Aufprall und bildeten ebenfalls kleine Wolken. Der dicke Kutscher
sah hilflos zu, wie sich seine Beute hinter ihm verteilte. Er gab
seinen Pferden weiterhin wütend die Peitsche, weil er Angst vor
den Dorfbewohnern hatte. Als alle Fässer Über Bord gegangen
waren, sprang auch Dwarf von der Ladefläche. Er purzelte über
den Boden und kam in einer Pfütze zum Stillstand. Gierig sog
er das Aroma des Regens in sich auf. Viele zarte Wolken hatten sich
zu größeren Wolken zusammengeballt, so dass der Himmel
sich langsam verdunkelte. Regen lag in der Luft.
Einem Phantom gleich verschwand der dicke Kutscher mit seinem riesigen
Gefährt am Horizont. Blitze zuckten vom Himmel und gaben seinem
Verschwinden ein gespenstisches Aussehen.
Die Bauern erreichten Dwarf und halfen ihm auf.
"Endlich Regen! Du hast den Regen zurückgebracht, vielen
Dank! Du bist wahrlich ein Regenzwerg!"
Verlegen sah Dwarf zu Boden. Er war doch kein Held, außerdem
hatte ihn der Spaß vier Silberlinge gekostet!
"Die bekommst du von uns erstattet! Und ein festliches Mahl dazu!
Aber für den bösen Fuhrmann werden wir uns einen netten
Fluch ausdenken...."
Fröhlich marschierten sie durch den beginnenden Regen zu dem
Dorf, um für Dwarf ein kleines Fest zu veranstalten. |
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