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Das Märchen vom verliebten Dataset
(© Connora von Qeylor)
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Es war einmal ein kleines Dataset, das hatte kein Volume und kein Label mehr und hatte nichts als eine ganz kleine hexadezimale Adresse.
Niemand wollte es haben, denn es hatte weder wichtige Daten noch irgendeine Priorität anzubieten.
Da weinte das Dataset viele bits und hätte sich fast selbst deleted, wenn es nicht im letzten Moment ein Druckimpuls erreicht hätte.
"Niemals!", dachte das Dataset wütend, "lasse ich mich ausdrucken", schickte einen Terminal I/O-error an den Printer und machte sich auf den Weg in den grossen, weiten Rechner. "Mir kann nur noch die edle CPU helfen", dachte es traurig und ging seiner Wege. Leise wollte es sich von der Diskette schleichen, aber solange es auch lief, nach tausenden von Rechenschritten hatte es noch nicht einmal den Sektor 12, Spur 20 verlassen. Wieder und wieder fragte es andere Datasets nach dem Weg, aber die hatten auch keine Ahnung. Jedes bit wollte es besser wissen und es entbrannte eine hektische "Ja/Nein"-Schlacht unter den bits. -"Woher sollen sie es auch wissen?", dachte das Dataset und ging weiter.
Es war keine zwei Spuren weitergekommen, als der Schreib/Lesekopf, der sich von dem Lärm gestört fühlte , auf da Schlachtfeld der bits züilte und dabei unser Dataset erblickte. "Halt! Was hast du hier zu suchen?", fauchte er es an und blieb ächzend ganz kurz vor ihm stehen. "Gib Antwort, oder du wirst sofort eingelesen!", donnerte der Schreib/Lesekopf weiter und konnte seinen Mechanismus kaum zügeln. Das arme Dataset hatte Todesangst, aber es war durch die lange Reise unerschrocken und abgehärtet worden. Also riss es sich zusammen, ordnete seine menüs neu und zischte zurück: "Versuch es doch, Schreib/Lesekopf, ich bin ein monster-glitch! Und wenn du mich nicht sofort zum Datenbus bringst, verpasse ich dir einen error, der sämtliche Dateien, die unter deiner Herrschaft stehen, auf einen Schlag löscht! Dann bist du ein Nichts und wirst, wenn Du Pech hast, ausgewechselt! -Zumindest aber hast du eine saftige Strafe vom Betriebssystem zu erwarten!"
-Wer im ganzen Rechner respektierte schon nicht das Betriebssystem mit seinem Supervisor? Es blieb dem Schreib/Lesekopf also nichts anderes übrig, als das vermeintliche glitch ganz vorsichtig aufzunehmen, an der nächsten Datenbushaltestelle abzusetzen und sich danach schnellstens zurück ins Laufwerk zu verziehen....
Viele Dateien standen nun um unser Dataset, es schien ein heilloses Durcheinander zu sein; das Dataset wurde sogar kurz mit einem Programm verwechselt, aber als es sich an die allgemeine Geschäftigkeit gewöhnt hatte, merkte es, dass wie durch ein Wunder jeder genau zu wissen schien, was er zu tun und zu lassen hatte, jeder wusste, wann er einsteigen musste und nie gab es Gedränge vor dem Datenbus. "Wer steürt dies alles?", frage das Dataset und gab sich Mühe, mindestens wie eine subroutine zu wirken. -"Unser Supervisor, unser Supervisor", hörte es immer wieder von allen Seiten und es wurde ihm ganz wohlig warm zwischen den Daten und es fühlte sich wie frisch gedumpt....
Schon kam mit rasender Geschwindigkeit der Datenbus um die Ecke gebraust und bald fiel dem Dataset auf, dass es gar keinen Fahrplan hatte. Da fiel ihm jedoch ein Zauberspruch ein, den ihm vor langer Zeit ein alter, weiser Compiler verraten hatte und es rief ganz laut:

"Datenbus, Datenbus, hör gut zu,
fahr' mich sofort zur CPU!!"

Aber gleich darauf fuhr es erschreckt zurück, denn es hatte vergessen, dabei an den grossen Logon zu denken, aber das war nunmal wichtig und sein Spruch nun somit völlig wirkungslos....
Mit quietschenden bytes bremste der Bus scharf und schaute das Dataset grimmig an, als wolle er es unverzüglich canceln. Schnell machte es sich aus dem Staube und jagte wie vom Spool gehetzt durch den Bufferbereich davon. Bald darauf war es müde geworden und schleppte sich schwach durch die Datenleitung, wo es kurz darauf von einem Prüfbit entdeckt wurde. "Du kannst hier nicht bleiben", erklärte das bit dem Dataset, "aber ich habe Mitleid. Komm, ich bringe dich dorthin, wo es allen Datasets gut geht. Du musst wissen", berichtete das Prüfbit auf dem Weg, "dass hier an dieser Stelle söben ein Unfall passiert ist; ein Programm stürzte ab, es geht ihm sehr schlecht." -"Wo ist es jetzt abgespeichert?", fragte das Dataset , und das Prüfbit erklärte abermals: "Das weisst du nicht!? Unser Supervisor lädt es gesund."
Da war es wieder.... -Supervisor-... ein Gefühl überkam das Dataset, als hätte es den ganzen Arbeitsspeicher nur für sich. Es sah verträumt das Prüfbit an, sagte aber nichts mehr.
So gelangten sie ins RAM, wo sich gerade munter ein paar Programme tummelten. War das ein Leben hier! Und alle Programme hielten strikt Disziplin. Jedes command wurde schnellstens eines nach dem anderen abgearbeitet und alles hatte trotz stundenlangen Ladens immernoch power. "Wie das?", erkundigte sich das Dataset dennoch neugierig und sah das grosse RAM ehrfürchtig an. -"Kleines Dataset", erwiderte das RAM , "ich wusste, dass du kommst und habe dir 4K Speicher freigehalten. Setz dich her zu mir und hör zu: Diese Programme sind gelistet, sie sind compiliert und haben alle Höhen und Tiefen eines Linklaufes hinter sich, sie werden nie ihre Kraft verlieren. Du aber bist dazu bestimmt, hierzubleiben und das einzige Systemfile aller Programme zu bilden, wenn die Zeit gekommen ist. Mehr kann ich dir nicht eingeben, aber du wirst einmal sehr glücklich sein."
Und so lebte das Dataset im RAM-Bereich, lernte, den Fahrplan des Datenbusses zu beherrschen, sich nicht zu verstecken, wenn man gelistet wird und speicherte ab und zu auch Informationen heimlich ab, die nur für Programme bestimmt waren, versteckte sie in einem geheimen K-RAM und verursachte so manchen error. Bald darauf war es zu einem wunderschönen volume herangewachsen, sehr klug war es geworden und sein available storage leuchtete in allen Farben; längst schon reichten die 4 Kilobyte nicht mehr aus und es bewohnte eine riesige megabyte-Villa im high valü-Bereich sämtlicher Programme.
-Aber es war traurig. Schimmerte auch jedes bit in dem Glanze der höchsten priority, so schienen ihm doch alle Daten sinnlos, alle Programme nutzlos- es sehnte sich nach systemlicher Wärme und suchte den Sinn des Rechnens. Es wurde immer trauriger, und begann gerade, die gesamte EDV anzuzweifeln, als es durch ein Beben des ganzen Systems aus seinen melancholischen steps gerissen wurde: Alles geriet durcheinander, alles schien voll mit Programmen, die nicht geladen waren, Dateien, die auf externe Speichermedien gehörten, bits und bytes bildeten wahllos jobs und ein Programm versuchte dem nächsten den storage abspenstig zu machen; die JCL geriet durcheinander und schickte einen job nach dem anderen an den Hostrechner, der damit nichts anfangen konnte und sie zu purgen begann, andere command files stürzten sich auf indizierte Dateien....
Und plötzlich war es still. -totenstill. -Daten zuckten ein letztes mal vor der erasure, Programme brachen die Arbeit ab und wehrten sich verzweifelt gegen die mangelnde Stromzufuhr, doch es half alles nichts. Sekunden später war die Leitung tot, der Rechner stand still und man hörte die gewaltige Stimme der CPU:
"Wir hatten einen Systemzusammenbruch! Alles zu den externals, was überleben will! Man hat uns runtergefahren, der Supervisor liegt im Sterben!"
Da durchzuckte das Dataset die Kraft eines Master Control Programmes, die Gerissenheit eines Linkage Editors und die Korrektheit eines Interpreters. Dies alles vermischte sich mit den in jahrelanger Kleinarbeit sorgfältig gesicherten Daten und es schrie: "Supervisor, höre mich! Ich weiss nun endlich, wozu ich da bin! Du hast mir eine recovery gebracht! Ich gehöre zu dir! Nimm meinen Speicherplatz, ich schenke dir jedes bit!" -So öffnete es sein geheimes K-RAM und schickte messages voller Liebe und wichtiger Systemprogrammierung....
Bald wurde es hell im Rechner und zum erstenmal standen sich Supervisor und Dataset gegenüber. Sie schauten sich lange an, es funkte, und es entwickelte sich dabei eine energy, die sämtliche Programme wieder arbeiten liess, die einen selbständigen Logon erzeugte, das Betriebssystem in Gang setzte und jedes bisher dagewesene IPL in den Schatten stellte; sie wurde so stark, dass der Drucker anfing zu drucken und sieben Tage und sieben Nächte nicht mehr aufhörte....
Da nahm der Supervisor das Dataset ganz fest in die Steuereinheit und sagte: "Dein Speicherplatz ist an meiner Seite."
-Und alles jubelte, über die Console kamen die Glückwünsche herein, die CPU gab ihren Segen und alles war glücklich und zufrieden.

-Und einige Jährchen später wunderten sich die User über viele kleine Datavisors und Supersets....


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