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Sonne in ganz Deutschland?
(© Britta Lüthe)

 
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In ganz Deutschland schien, nach wochenlanger Kälte, endlich wieder die Sonne und der Frühling macht Anstalten, sich endlich einzufinden.
Die Menschen genossen die warmen Sonnenstrahlen und verbrachten den Tag in den Biergärten und Eisdielen, oder wer einen Garten hatte, der begann dort, das erste Unkraut zu zupfen, den Rasen zu mähen oder einfach so genussvoll in der Sonne zu sitzen.
Kinder holten ihre Wasserpistolen raus, Hunde und Katzen suchten sich ein schattiges Fleckchen und alle Welt war gut gelaunt.
Alle Welt?
Nein!
In einem grossen Haus in einer grossen Stadt sass eine Frau, die vor lauter Arbeit gar nicht mitbekam, wie herrliches Wetter draussen war.
Während andere den Frühling geniessen konnten, sass sie an ihrem Schreibtisch, bis über beide Ohren mit Arbeit zugedeckt und ärgerte sich. Aber sie bemühte sich, die Papierberge so schnell wie möglich abzuarbeiten, damit sie wenigstens die letzten Sonnenstrahlen noch sehen konnte.
Aber immer wenn sie einen Berg geschafft hatte, kam ihr Chef und legte ihr den nächsten vor die Nase.
Spät am Abend, als sie schon gar nicht mehr richtig geradeaus gucken konnte, schloss sie ermüdet die Augen und wünschte sich verzweifelt, es wäre endlich Feierabend und sie könne noch die Sonne sehen.
Plötzlich sprach sie eine helle Stimme an: "Hallo, ich bin gekommen, dir zu helfen!"
Erschrocken riss die Frau die Augen auf, sah sich um, aber sie konnte niemanden entdecken, der zu der Stimme passte. Sie dachte, sie wäre wohl vor lauter Übermüdung eingeschlafen und hätte geträumt.
Seufzend machte sie sich wieder an die Arbeit.
"Haaaaallo!" rief die Stimme erneut.
Irritiert sah die Frau sich um, aber sie sah nichts.
"Hier bin ich, hier unten, vor deinem Tisch!" sagte die Stimme.
Erstaunt stand die Frau auf, ging um ihren Schreibtisch und sah ein kleines Männchen dort stehen, nicht grösser als ein Zeigefinger.
"Nanu, wer bist du denn?" Sie glaubte zu träumen.
"Ich bin der Wetterzwerg," antwortete das Männchen. "Du hast dir so sehr schönes Wetter gewünscht, dass man mich zu dir geschickt hatte, weil man Mitleid mit dir hatte!"
Die Frau staunte. Das gab es doch nicht! Kopfschüttelnd stand sie da und überlegte, ob sie vielleicht doch in der letzten Zeit zuviel gearbeitet hätte und ob sie möglicherweise urlaubsreif sei.
Der Wetterzwerg konnte die Gedanken der Frau lesen und lachte.
"Nein, du träumst nicht. Wir Wetterzwerge mögen es nicht, wenn so einen Tag, an dem wir uns so viel Mühe mit dem Wetter gegeben haben, nicht richtig gewürdigt wird und man sich nur im Haus verkriecht. Wir mögen auch gut gelaunte Menschen viel lieber als Nieselpriems."
Die Frau musste lachen. Als Nieselpriem hat sie noch nie jemand bezeichnet. Eigentlich war sie auch meistens gut gelaunt, aber wie alle anderen Menschen im Land hatte sie die Nase von der kalten Jahreszeit voll und wollte endlich mal wieder die Sonne sehen. Und ausgerechnet an dem Tag, an dem diese hervor kam, musste sie so viel arbeiten.
Sie seufzte.
Der Wetterzwerg hatte Mitleid mit ihr und machte ihr einen Vorschlag:
"Weißt du was," sagte er, "wenn du mit deiner Arbeit fertig bist und nach Hause gehst, dann gebe ich dir einfach die Sonne mit, damit du auch noch ein bisschen was davon hast."
"Das würdest du machen?" fragte die Frau erstaunt zurück.
"Aber ja! Wir alle haben so fleissig am Wetter mitgearbeitet, dass wir wollen, jeder hätte etwas davon."
Die Frau freute sich und machte sich mit Begeisterung an ihren letzten Papierstapel, damit sie so schnell wie möglich nach Hause kam.
Nach einiger Zeit hatte sie es endlich geschafft und packte ihre Sachen zusammen.
Draussen wurde es allmählich dunkel und ihr kamen Zweifel, ob der Wetterzwerg sein Wort halten könnte.
Aber auch Wetterzwerge haben eine Ehre und ein Versprechen muss gehalten werden.
Als die Frau ihr Büro verliess, schien direkt über sie die Sonne und begleitete sie auf ihrem Weg nach Hause.
Die Frau war glücklich, so glücklich, dass sie die ganze Nacht nicht schlafen wollte, sondern am liebsten auf ihrem Balkon gesessen hätte um die Sonne zu geniessen.
Doch sie war so müde, dass ihr immer wieder die Augen zufielen.
Der Wetterzwerg, der sie begleitet hatte, sah das und hatte ein Einsehen.
Er machte ihr einen Vorschlag: "Es ist schon spät, du hattest einen langen Tag heute, geh schlafen. Und wenn du morgen früh aufwachst, dann scheint die Sonne nur für dich allein, versprochen!"
Die Frau vertraute dem Zwerg inzwischen und begab sich ins Bett.

Am nächsten Morgen wurde sie von den Sonnenstrahlen, die durch ihr Fenster schienen, geweckt, während ganz Deutschland unter einer dicken Wolkendecke den Tag begann.


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