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Geduldig wartete er in der Schlange, bis er dran war. Es waren noch einige
Leute vor ihm dran und er nutzte die Zeit, sich unauffällig umzusehen.
Viel war heute nicht los. Es war Monatsende und der grosse Run würde erst
in den nächsten Tagen stattfinden.
Seinem Besuch hier heute war eine lange Planung vorausgegangen und er hoffte,
dass er nichts übersehen hatte.
Endlich war er an der Reihe. Ein kurzer Blick durch den Raum zeigt ihm,
dass er, abgesehen von den Angestellten, allein war. Sein grosser Auftritt
konnte los gehen.
"Bitte, Sie wünschen?" fragte ihn die Frau hinter dem Glasfenster.
"Moment," nuschelte er plötzlich panisch. Wo war denn bloss der Zettel,
den er heute morgen noch sorgfältig geschrieben hatte?
Hektisch durchwühlte er seine Taschen, bis er ihn erleichtert in den Fingern
hielt und ihn durch den Schlitz im Fenster schob.
"Hm...," sagte die Frau nachdenklich, "ich glaube, Sie sind hier falsch,
aber Milch und Brot führen wir nicht!"
Entsetzt sah er sie an. Sie schob ihm den Zettel wieder rüber und er stellte
peinlich betreten fest, dass er ihr seinen heutigen Einkaufszettel gegeben
hatte.
"Ok, dann eben anders", flüsterte er ihr zu. "Ich brauche Geld! Bitte
tun Sie mir den Gefallen und regen sich jetzt nicht auf, das würde mein
Herz jetzt nicht vertragen!"
Oh Gott, war das wirklich er, der das gesagt hatte? Er spürte, wie ihm
die Röte ins Gesicht stieg.
Die Frau lachte. "Das ist oft so, wenn Leute in eine Bank gehen. Wieviel
brauchen Sie denn?"
"Nein, Sie verstehen nicht", erwiderte er, sich aufgeregt umguckend, "ich
brauche viel Geld, sehr viel Geld."
"Nun ja," stellte die Frau hinter der Glaswand nüchtern fest, "das geht
wohl den meisten Menschen so. Vielleicht sollten Sie sich besser an unsere
Kreditabteilung wenden?"
Ungeduldig sah er sie an.
"Ich brauche das Geld jetzt," sagte er, "denn wenn ich kein Geld habe,
dann kann ich Simone auch nicht einladen, und wenn ich Simone nicht einlade,
dann denkt sie womöglich, dass ich kein Interesse an ihr habe, und Simone
ist die schönste Frau der Welt!"
Mit verklärtem Blick sah er die Frau gegenüber an.
"Also brauche ich jetzt ganz viel Geld, weil ich Simone heute einladen
will."
"Tja," sagte die Frau, "dann füllen Sie am besten einen Barauszahlungsbeleg
aus."
"Das geht nicht," flüsterte er, "ich habe hier gar kein Konto."
"Dann können Sie hier auch kein Geld bekommen."
"Doch," widersprach er, "das ist nämlich ein Banküberfall."
Er sah, wie der Blick der Frau zu flattern begann.
"Bitte, ganz ruhig bleiben," forderte er sie auf, "ich tue Ihnen nichts!"
"Aber ich sehe keine Waffe!" stellte die Frau plötzlich fest.
Erstaunt sah er auf seine Hände. Tatsächlich, sie waren leer. Jetzt wusste
er auch, warum er heute mit dem Gefühl, etwas vergessen zu haben, aus
dem Haus gegegangen war.
Na gut, dann musste er eben improvisieren.
"Hm...," überlegte er, "würden Sie mir eventuell glauben, dass ich eine
Waffe in meiner Tasche habe?"
"Na, Sie können mir ja viel erzählen," antwortete sie. "Ich muss die Waffe
schon sehen!"
Verzweifelt überlegt er, was er als Waffe nehmen könnte. Da fiel ihm beim
Kramen in seiner Tasche ein Kugelschreiber in die Hände.
Entschlossen zeigt er mit dem Kugelschreiber auf die Kassiererin.
"Würden Sie das als Waffe akzeptieren?" fragte er.
Die Frau lachte schallend auf: "Na, in gewissen Branchen dürfte ein Stift
schon als Waffe zu sehen sein, aber hier sind Sie damit verkehrt. Tut
mir leid, aber das kann ich nicht akzeptieren!"
Er stöhnte auf. Irgendwie lief heute alles schief.
"Könnten wir das mit dem Geld nicht auch ohne Waffe machen?" Flehend sah
er sie an. "Ich mag eigentlich gar keine Gewalt, und so ginge es doch
viel friedlicher, oder?"
"Aber dann wäre es kein richtiger Banküberfall", stellte sie trocken fest.
"Sie müssen da schon etwas vorweisen können!"
Hektisch kramte er weiter in seinen Taschen, aber ohne Erfolg.
Ratlos sah er sie an. Wie sollte er jetzt denn Simone beeindrucken? Er
hatte es sich so schön ausgemalt, wie er sie heute abend zum Essen ausführen
wollte, in das beste Restaurant der Stadt.
Sie spürte seine Verzweiflung.
"Wissen Sie, "meinte die Frau, "wenn Sie Ihre Simone mit so etwas beeindrucken
müssen, dann ist sie es nicht wert!"
"Wie können Sie das sagen!" Er war empört. "Sie ist die schönste, klügste
und tollste Frau, die ich kenne!"
"Na, wenn sie so klug und toll ist, wie Sie sagen, dann wird Sie sie auch
ohne viel Geld mögen. Es gibt auch noch andere Arten, eine Frau zu beeindrucken."
"Meinen Sie?" verunsichert sah er die Frau an.
"Aber ja!"
Nachdenklich starrte er auf seine Füsse. Vielleicht brauchte er ja doch
keinen Banküberfall? Er hätte sich entschieden wohler gefühlt, wenn es
einen anderen Weg geben würde.
"Was würden Sie denn vorschlagen?" fragte er vorsichtig.
"Naja," überlegte sie, "ich kenne Ihre Simone ja nicht, aber vielleicht
würde sie sich ja auch über ein gemütliches Essen in trauter Zweisamkeit
freuen? Auch mit Kerzenlicht und belegten Broten kann es ganz nett sein."
"Belegte Brote?" erstaunt sah er sie an.
"Wissen Sie," sagte die Frau, "es kommt nicht darauf an, was es gibt,
sondern WIE es das gibt. Zeigen Sie ihr, dass Sie sich Mühe gegeben haben,
das mögen die meisten Frauen."
Er war noch nicht ganz überzeugt.
"Glauben Sie mir", versuchte sie ihn zu beruhigen, "wenn Ihrer Simone
das nicht gefällt, dann werden Sie es später immer schwer haben, ihr etwas
zu bieten."
"Mensch Klaus," hörte er plötzlich hinter sich eine Stimme. "Was machst
Du denn hier?"
Erschrocken drehte er sich um und sah in Simones Gesicht.
Ja, wie sollte er ihr das erklären...?
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