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Die Staubhexe
oder
Die Erfindung des Schmutzeckchens

(© Astrid Hinkelmann)
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„Komm, Katze“ rief Hexe Rydia „laß uns die gute Stube blinkeplank putzen, damit sie zum funkelnden Glanz deiner wunderhübschen Augen passt.“
Die Katzendame, die auf den Namen „Katze“ hörte, verdrückte sich schnell.
Wie der Blitz war sie auf dem Schrank gehopst und hatte sich dort hinter der großen Keksdose verkrochen.
Rydia seufzte. Es war jedesmal dasselbe, wenn es darum ging, im Hause ein wenig für Ordnung zu sorgen.
Vor sich hinschmollend griff sie nach dem Staubwedel und begann, in sämtlichen Ecken und Winkeln damit herumzuwedeln.Dabei sang sie: „Stauborium, pitz-potz-putz!
Simsalaborium-fort mit dem Schmutz“
Ein leichtes Hüsteln, welches zwischendurch immer wieder aus ihrer Kehle kroch,zeigte, wieviel Staub sie dabei aufwirbelte.
Mit finster zusammengezogenen Augenbrauen und mit schön-schaurig-erhobener Stimme sang sie weiter:
„Sti-Sta-Stu-Stauborius
mit dem Staub, da ist jetzt Schluß“
Aus dem Kamin kam plötzlich ein zischendes Geräusch. Es knisterte und wabberte und knackte in der Kaminöffnung und kurze Zeit später, mit einem – Huuuuuuuuuiiiiii - huschte eine Gestalt in die Stube.
Auf einem Besen und mit fliegenden , tiefroten Röcken zog sie eine schwungvolle Bahn durch Rydias Stube.
Dann ließ sie sich nieder, stieg vom Besen ab und rief:
„Hey, Puppe, was machste so 'nen Wirbel, häh?“ rief sie Rydia zu, während sie ihren Besen in die Ecke pfefferte.
„Äh...ich mach‘ si-sa-sauber-staubrein. Und wer bist du? Und was machst du hier?“
„Ja, sach‘ ma‘ Fräulein. Wat soll denn das? Laß doch den Staub Staub sein.Is schließlich ein Teil von mir, odda?“
„Oh,äh..., ich weiß nicht.......“ begann Rydia.
„Nu stotter‘ hier ma‘ nich‘ so rum, nich‘ wahr. Hör mir ma‘ lieber zu und lass das Ding da weg“ die Staubhexe deutete auf den Staubwedel in Rydias Händen.
Diese begriff die Welt nicht mehr, und war so perplex, dass sie nicht dazu in der Lage war, etwas Sinnvolles zu erwidern. Mit dümmlich aufgerissenem Mund und ebensolchen Augen stand sie da und starrte auf den Staubwedel. Dann schaute sie zur Staubhexe und blickte von dort aus wieder auf den Staubwedel.
„Nu‘ blick mich nich‘ so an, wie 'ne Kuh, wenn's blitzt, sondern pack das Ding in deiner Hand ma‘ in die hinterste Ecke deiner Stube hier.“
Endlich konnte Rydia etwas erwidern „Nö, schließlich will ich es hier blitzeblanksauber haben.“
„Freiheit dem Staub“ rief die Staubhexe und ihre Worte ließen gelbe Blitze durch die Stube zucken.
Rydia zuckte zusammen und erstaunt beobachtete sie, wie schließlich zwei dicke Tränen aus den Augen der Staubhexe quollen.
Nachdem diese sich einen Weg über deren Wangen, Kinn und Hals bis hin zum roten Rockkragen gebahnt hatten, um dort auf NimmerWiedersehen zu verschwinden, schluchzte die Staubhexe mit kindlicher Stimme „Weißte, wenn es überall Staubfrei is‘, dann wird es mich nimma mehr geben und das läßt mich nich' gerade vor Freude hüpfen und Jucheee brüllen., sondern jämmerlich und erbärmlich schluchzen und fluchen und weiß der Geier wat noch!“ Rydia blickte mitfühlend zu der schluchzenden Staubhexe.
Diese schien zu spüren, dass Rydia ein offenes Ohr zu haben schien und sprach daraufhin mit dem anfänglichen Schwung: „Hey, Puppe! Wie wäre es mit 'nem Deal? Häh?“
„Ein Deal? Was für ein Deal denn?“ Rydia runzelte die Stirn.
„Na, ich seh‘ ma‘ zu, dass meine allerliebsten Staubkörnchen nich‘ mehr wahllos in deiner Stube rumtanzen und du richtest ihnen hier eine Ecke ein, wo weder Putzerei noch Staubwedelei etwas zu suchen haben, odda? In dieser Ecke werd‘ ich jedes einzelne Staubkörnchen hüten, wie ein Schäfer seine Schafe. Ergebnis: Dir und mir is‘ gedient! Na? Wat sagste dazu, häh?“
Rydia überlegte und nachdem sie zu dem Schluß gekommen war, dass Staubwedelei und Putzerei nicht gerade zu ihren Lieblingsbeschäftigungen gehörten, willigte sie schließlich ein.
„Braves und kluges Kind“ lobte die Staubhexe erfreut.
Hurtig wurde eine geeignete Ecke für die Staubkörnchen gesucht und mit :
*PomboriumSimsalaberiatz
Husch-husch-husch, auf euren Platz*
dirigierte die Staubhexe jedes einzelne Staubkörnchen in diese Ecke.
Es war ein lauschiges Eckchen neben dem Kamin.
„Und dort bleibt jedes einzelne Staubkorn jetzt und bis in alle Ewigkeit?“ fragte Rydia.
„Darauf kannste dich verlassen, Puppe, so wahr ich die Staubhexe Else Stäubchen bin. Na, wat sagste nu‘ ?“
„Prima! Ja, einfach prima ist das! Nie wieder Staubwedeln, wie fein!“
„Mein Auftrag is‘ es, so viele Hexen und Menschen wie möglich von dieser Methode zu überzeugen. Denn der Staub darf nimma aussterben. Ohjemine! Nich‘ auszudenken! Dies wär' der Untergang von mir, Staubhexe Else Stäubchen. Ob die Menschen dabei mitmischen?“
„Ach, und wenn nicht, so reicht es doch, wenn alle Hexen sich auf diesen Deal einlassen, oder?“ zerstreute Rydia die Zweifel der Staubhexe.
„Recht haste, kluges Kindchen. So isset ! So wahr ich Else Staubkörnchen heiße *Hi* ! Ein dreifaches >Hoch< für den Staub der Welt!“
Rydia stellte sich vor die Ecke, in der die Staubhexe sämtlichen Staub ihrer Hütte versammelt hatte, breitete beschwörend die Hände darüber aus und sprach: „Ich taufe dich auf den Namen „Schmutzeckchen.“
Und bevor sich die Staubhexe aus dem Staube machte rief sie laut: „Und die Moral von der Geschicht‘ : vernichte deine Schmutzeck‘ nich‘!
*Hi* Dieses süße, kleine Schmutzeckchen lebe hoch!“ Dann raffte sie ihre Röcke, schwang sich auf den Besen und wirbelte davon, ohne den geringsten Staub aufzuwedeln.


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