In einem grauen kalten Land, in dem Gold und Siege
über Gegner den meisten Menschen alles bedeuten, leben ein Mann und
eine Frau. Sie sind kein König und Königin, auch keine Prinz und Prinzessin.
Sie sind mehr als das: sie sind einfach sie selbst. Sie haben der rauhen
Welt ein kleines grünes Stück Land abgewonnen, in dem andere Regeln
gellten: Liebe kommt vor Geld, Verzeihen kommt vor Stolz, Verständnis
kommt vor Ablehnung.
Lange Jahre leben sie gemeinsam und trotzen den Anfeindungen aus der
grauen Welt, die immer wieder will, das auch der letzte Rest Erde genau
so wird wie sie: grau. Obwohl sie immer wieder kämpfen müssen, sind
sie glücklich. Die Kämpfe verbinden Sie, Sie haben einander und sind
nie allein. Sie lieben sich, weil sie miteinander seien können wie sie
sind und nichts darzustellen brauchen.
Doch in der grauen Welt gibt es einen Zauberer, der auch so ein schönes
Leben haben möchte wie der Mann und die Frau. Er sehnt sich nach all
den Dingen, die die beiden haben und möchte sein eigenes grünes Eiland.
Doch in der grauen Welt gibt es nicht viele Frauen, die sich nicht von
Gold und Status blenden lassen. Sie wollen einen Mann, der Reichtum
und Siege aufzuweisen hat. Woher soll er also eine Frau nehmen, die
ihn um seiner selbstwillen liebt? Sein verlangen danach ist so groß,
dass er die Frau dem Mann wegnehmen will.
Er beschließt, seine Zauberkräfte einzusetzen: Er dichtet einen Zauber,
der die Frau dazu bringt, Farben nicht mehr richtig zu erkennen. Ihre
Insel erscheint Ihr darauf hin nicht mehr grün und die Umwelt nicht
mehr grau. Die Frau ist so verwirrt, dass sie ihrem Mann nichts davon
sagt, er erscheint ihr ja jetzt auch ein bisschen grauer. Immer öfter
wechselt sie nun in die graue Welt, die ihr immer grüner erscheint.
Darauf hat der Zauberer nur gewartet. Er macht ihr den Hof und sein
Zauber beschützt ihn davor, dass sie seine wahre Farbe erkennt. Der
Zauberer hat in seinem Land alles Grün angemalt und die Frau sieht nicht,
das die Farbe nicht lange halten wird. Sie freut sich, auf einmal so
viel grün zu sehen. Das grau, das überall durchscheint, nimmt sie nicht
wahr. Sie beginnt, das falsche grün zu lieben. Was soll der Mann nun
tun, um seine Frau von dem Zauber zu befreien? Denn ist der Zauber gebrochen
sieht die Frau die Welt wieder mit klaren Augen. Alleine schafft der
Mann es nicht, die grüne Insel vor der grauen Welt zu schützen, so dass
sie immer kleiner wird. Wenn nichts geschieht, wird nichts mehr von
ihr übrigbleiben und er von der grauen Welt verschlungen werden.
Der Mann findet den Zauberspruch nicht. Und schon ist er fast grau.
Der Zauberer arbeitet mit allen Tricks und sagt dem Mann "Deine Frau
kann gehen wohin sie will". Doch sie steht immer noch unter seinem Zauber.
Und ,obwohl er diese graue Welt nicht mag und sich vor ihr fürchtet,
entscheidet sich der Mann dafür, in die graue Welt zu treten und für
seine Frau zu kämpfen, mit den Mitteln der grauen Welt, denn er hofft,
gleiches mit gleichem bekämpfen zu können.
Der Mann geht in die graue Welt und kämpft. Er versuchte die falsche
Farbe überall abzukratzen und echtes grün erblühen zu lassen. Doch sobald
er es an einer Stelle geschafft hat, malt der Zauberer an einer anderen
Stelle schnell wieder sein virtuelles grün darüber.
Die Frau weis nicht wie ihr geschieht. Die Farben sausen nur so um sie
herum, so das alles verschwimmt und sie nichts mehr klar sehen kann.
Der Mann und der Zauberer sind so mit malen, abkratzen und übertünchen
in Wettstreit geraten, dass sie nicht mehr von alleine aufhören können,
sie sind wie besessen. Da die Frau nun keinen von beiden mehr deutlich
wahrnimmt, findet sie langsam zu sich selber zurück. Sie beobachtet
die beiden Anstreicher und versucht herauszufinden, was sie von alledem
halten soll. Der Mann bemerkt, dass seine Frau nicht mehr auf die Farben
achtet, sondern nur noch den Malern bei ihrem Treiben zusieht.
Doch er kann nicht aufhören, denn immer wenn er die falschen Farben
zu stark werden lassen würde, würde die Wirkung des Zaubers sofort wieder
einsetzen und er hätte seine Frau verloren. Er ruft seiner Frau zu "Hilf
mir doch den Anstrich zu entfernen, es ist doch alles grau darunter,
siehst Du es nicht?". Die Frau kann es nicht sehen, zu schnell wechseln
die Farben, um irgend etwas deutlich zu sehen. Doch Sie erinnert sich
an frühere gemeinsame Kämpfe mit dem Mann und was sie alles geschafft
haben. Sie denkt sich also "Warum soll ich ihm nicht helfen, früher
hat es immer zu gutem geführt?" und fängt an mit dem Mann alles von
falschem grün zu befreien.
Gegen zwei kommt der Zauberer nicht an. Immer offensichtlicher wird
seine Scheinwelt, bis schließlich nichts mehr als ein virtuelles Paradies
übrig bleibt und der Zauber gebrochen ist.
Auf dem Weg zurück in ihr Reich rufen der Mann und die Frau dem Zauberer
noch zu: "Verzweifle nicht, auch du wirst Deine Frau finden, doch nicht
durch Zauber und Raub! Nutze Deine große Kraft auf ehrliche Weise und
Du wirst eine Frau finden, die auch in Deiner realen Welt mit Dir leben
und zu Dir halten will. Denn wahre Liebe findet immer ihren Weg!"
Und die Moral von der Geschichte? Es ist eben nur eine Geschichte im
virtuellen Zauberreich des Internets, mehr nicht. Sucht hier nicht nach
künstlichen Abziehbildern und Idealen, die in der Wirklichkeit nicht
existieren können. Leute, geht raus und vergesst über die virtuellen
Paradiese nicht, mit wirklichen Menschen im realen Leben zu reden!!!