Zurück
Von Farben und Zauberern
(© André Busse)
Weiter

In einem grauen kalten Land, in dem Gold und Siege über Gegner den meisten Menschen alles bedeuten, leben ein Mann und eine Frau. Sie sind kein König und Königin, auch keine Prinz und Prinzessin. Sie sind mehr als das: sie sind einfach sie selbst. Sie haben der rauhen Welt ein kleines grünes Stück Land abgewonnen, in dem andere Regeln gellten: Liebe kommt vor Geld, Verzeihen kommt vor Stolz, Verständnis kommt vor Ablehnung.
Lange Jahre leben sie gemeinsam und trotzen den Anfeindungen aus der grauen Welt, die immer wieder will, das auch der letzte Rest Erde genau so wird wie sie: grau. Obwohl sie immer wieder kämpfen müssen, sind sie glücklich. Die Kämpfe verbinden Sie, Sie haben einander und sind nie allein. Sie lieben sich, weil sie miteinander seien können wie sie sind und nichts darzustellen brauchen.
Doch in der grauen Welt gibt es einen Zauberer, der auch so ein schönes Leben haben möchte wie der Mann und die Frau. Er sehnt sich nach all den Dingen, die die beiden haben und möchte sein eigenes grünes Eiland. Doch in der grauen Welt gibt es nicht viele Frauen, die sich nicht von Gold und Status blenden lassen. Sie wollen einen Mann, der Reichtum und Siege aufzuweisen hat. Woher soll er also eine Frau nehmen, die ihn um seiner selbstwillen liebt? Sein verlangen danach ist so groß, dass er die Frau dem Mann wegnehmen will.
Er beschließt, seine Zauberkräfte einzusetzen: Er dichtet einen Zauber, der die Frau dazu bringt, Farben nicht mehr richtig zu erkennen. Ihre Insel erscheint Ihr darauf hin nicht mehr grün und die Umwelt nicht mehr grau. Die Frau ist so verwirrt, dass sie ihrem Mann nichts davon sagt, er erscheint ihr ja jetzt auch ein bisschen grauer. Immer öfter wechselt sie nun in die graue Welt, die ihr immer grüner erscheint.
Darauf hat der Zauberer nur gewartet. Er macht ihr den Hof und sein Zauber beschützt ihn davor, dass sie seine wahre Farbe erkennt. Der Zauberer hat in seinem Land alles Grün angemalt und die Frau sieht nicht, das die Farbe nicht lange halten wird. Sie freut sich, auf einmal so viel grün zu sehen. Das grau, das überall durchscheint, nimmt sie nicht wahr. Sie beginnt, das falsche grün zu lieben. Was soll der Mann nun tun, um seine Frau von dem Zauber zu befreien? Denn ist der Zauber gebrochen sieht die Frau die Welt wieder mit klaren Augen. Alleine schafft der Mann es nicht, die grüne Insel vor der grauen Welt zu schützen, so dass sie immer kleiner wird. Wenn nichts geschieht, wird nichts mehr von ihr übrigbleiben und er von der grauen Welt verschlungen werden.

Der Mann findet den Zauberspruch nicht. Und schon ist er fast grau. Der Zauberer arbeitet mit allen Tricks und sagt dem Mann "Deine Frau kann gehen wohin sie will". Doch sie steht immer noch unter seinem Zauber. Und ,obwohl er diese graue Welt nicht mag und sich vor ihr fürchtet, entscheidet sich der Mann dafür, in die graue Welt zu treten und für seine Frau zu kämpfen, mit den Mitteln der grauen Welt, denn er hofft, gleiches mit gleichem bekämpfen zu können.

Der Mann geht in die graue Welt und kämpft. Er versuchte die falsche Farbe überall abzukratzen und echtes grün erblühen zu lassen. Doch sobald er es an einer Stelle geschafft hat, malt der Zauberer an einer anderen Stelle schnell wieder sein virtuelles grün darüber.
Die Frau weis nicht wie ihr geschieht. Die Farben sausen nur so um sie herum, so das alles verschwimmt und sie nichts mehr klar sehen kann. Der Mann und der Zauberer sind so mit malen, abkratzen und übertünchen in Wettstreit geraten, dass sie nicht mehr von alleine aufhören können, sie sind wie besessen. Da die Frau nun keinen von beiden mehr deutlich wahrnimmt, findet sie langsam zu sich selber zurück. Sie beobachtet die beiden Anstreicher und versucht herauszufinden, was sie von alledem halten soll. Der Mann bemerkt, dass seine Frau nicht mehr auf die Farben achtet, sondern nur noch den Malern bei ihrem Treiben zusieht.
Doch er kann nicht aufhören, denn immer wenn er die falschen Farben zu stark werden lassen würde, würde die Wirkung des Zaubers sofort wieder einsetzen und er hätte seine Frau verloren. Er ruft seiner Frau zu "Hilf mir doch den Anstrich zu entfernen, es ist doch alles grau darunter, siehst Du es nicht?". Die Frau kann es nicht sehen, zu schnell wechseln die Farben, um irgend etwas deutlich zu sehen. Doch Sie erinnert sich an frühere gemeinsame Kämpfe mit dem Mann und was sie alles geschafft haben. Sie denkt sich also "Warum soll ich ihm nicht helfen, früher hat es immer zu gutem geführt?" und fängt an mit dem Mann alles von falschem grün zu befreien.
Gegen zwei kommt der Zauberer nicht an. Immer offensichtlicher wird seine Scheinwelt, bis schließlich nichts mehr als ein virtuelles Paradies übrig bleibt und der Zauber gebrochen ist.
Auf dem Weg zurück in ihr Reich rufen der Mann und die Frau dem Zauberer noch zu: "Verzweifle nicht, auch du wirst Deine Frau finden, doch nicht durch Zauber und Raub! Nutze Deine große Kraft auf ehrliche Weise und Du wirst eine Frau finden, die auch in Deiner realen Welt mit Dir leben und zu Dir halten will. Denn wahre Liebe findet immer ihren Weg!"

Und die Moral von der Geschichte? Es ist eben nur eine Geschichte im virtuellen Zauberreich des Internets, mehr nicht. Sucht hier nicht nach künstlichen Abziehbildern und Idealen, die in der Wirklichkeit nicht existieren können. Leute, geht raus und vergesst über die virtuellen Paradiese nicht, mit wirklichen Menschen im realen Leben zu reden!!!


Zurück
Anfang
Weiter